Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 13. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Der Tag, an dem ich meine Regisseurin umbringen wollte

… war ein Montag. Genauer gesagt, der Montag vor der Premiere. Da sitzt sie doch da, die Anne Katrin Gummich, und sagt so ganz locker in den Raum. „Wir machen jetzt einen Durchlauf.“ Ich denke, mich laust der Affe. Durchlauf. Hat die sie noch alle. Durchlauf, das klingt in meinen Ohren wie Einlauf. Hiiiiiiiiiilfe!

Ich habe meine Liebe zur Regisseurin soeben beendet. Die Nabelschnur ist durchtrennt, weggeworfen auf den Biomüll.Ich weiß doch noch nicht mal, wie ich meine Füße beim Tanz zu setzen habe. Geschweige denn bin ich in der Lage mir meine Texte zu merken.

Ich begann mit meiner inneren Kündigung, die immerhin 24 Stunden anhielt. Die innere Kündigung, liebe Zuschauer, ist das Schlimmste, was man seiner Arbeit antun kann. Sie ist der Garant für das Nichtgelingen. Aber dieses Kündigen ist normal in der künstlerischen Arbeit. Ab einem bestimmten Moment will der Spieler nämlich mit sich allein klar kommen. Da stört eine Choreografin ebenso wie eine Regisseurin. Da werden die in den Augen der Spieler zu Fallobst. Aber die Frauen müssen ihren Job machen. Und an diesem Tag war Anne Katrin im Recht. Sie wollte einen Überblick über das Programm. Sie musste sehen, wie sich alles fügt. Sehr wichtig, denn wir hatten einige unbekannte Größen dabei. Eine davon war eng mit dem Titel verbunden. „Briefkästen weinen nicht“ gefiel beiden künstlerischen Chefs gut. Warum? Weil sie ihre Chance witterten. Die Chance für neue Gestaltungsformen.

Also schufen wir einen Briefkasten.

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