Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 20. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Der Lauscher an der Wand… Was nicht im Text stand

Kabaretttexte sind wie Knetmasse. Der Spieler macht sie im Laufe der Zeit zu seinem persönlichen Produkt. Ist es der eigene Text, und bei Thomas ist das so, weil er die meisten schreibt, so lässt sich ziemlich entspannt alles „zurecht fummeln“. Hat man als Spieler einen Text von einem Autor, der obendrein dazu im Ensemble ist, wird das um vieles schwieriger.

Oberstes Prinzip ist der Respekt des Spielers vor dem Text. Wenn der Kabarettist das Geschriebene aber „ins Maul bekommen“ möchte, wie zum Beispiel bei einer Conferénce, dann ist es besser, er kann dies ohne die ständige Anwesenheit des Urhebers des Textes tun und ihm irgendwann das erprobte neue Produkt präsentieren. Sie müssen wissen, liebes Publikum, ein Kabarettprogramm ist mit der Geburt eines Kindes zu vergleichen. Erst kommt es runzlig zur Welt, dann wird es so nach und nach pummlig und irgendwann kann es laufen, plappern und wird ein ganz eigenständiges Wesen. So braucht die Kunst ihre Zeit. Nicht ohne Grund gibt es in der Theaterszene Fälle, wo Regisseure oder Texter nach der Premiere erst einmal Hausverbot bekommen, damit sie die Spieler nicht behindern.

Bei uns läuft das besser. Spannungsreicher. Wir hangeln uns nach der Premiere erst einmal auf die Hochspannungsleitung und laden uns auf. Da zischt und kracht es. Jeder hat seine Meinung, wie ein Text zu behandeln ist. Und jeder hat auf seine Weise Recht. Autor und Spieler müssen in der runzligen Phase unseres Programmbabys starke Nerven haben. Weil jeder von jedem alles hört. Denn Bühne und Künstlergarderobe sind nur durch einen Vorhang getrennt. Da hörst du alles. Jede weggelassene oder veränderte Textpassage, jede vermeintlich falsche Betonung. Da wird es für den auf der Bühne richtig schwer.

Ingolf, der zum Beispiel mit seinem Gitarrensolo den Liedtext von Thomas übernimmt und dann die eigenen Wortbeiträge drum herum entstehen lässt, weiß davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied zu singen.

Ingolf auf der Bühne/Thomas hinter dem Vorhang

Ingolf auf der Bühne/Thomas hinter dem Vorhang

Ingolf hat vor ein paar Tagen die Situation mit den Worten beschrieben: “Wenn ich Texter wäre und hinten stehen würde,  ich würde mich verkehrt rum aufhängen.“ Muss  aber nicht sein! Wenn wir dann nach einiger Zeit merken, dass alles rund läuft, kehrt Ruhe ein. Und es bleibt unser oberstes Gebot: Respekt vor dem Text. Und wenn es dann doch noch mal ein Problem gibt, dann liegt das nicht an uns. Dann gibt es keinen Zweifel: Der Techniker ist schuld.

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