Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 12. Okt 2009

News

Alles Strumpfhose oder was

Eine Fotoausstellung von Andy Koll im Theater SANFTWUT

Andy Koll fotografiert junge Frauen. Das ist nichts Ungewöhnliches. Das machen alle Männer gern. Aber Andy Koll hat eine Schwäche für Nylon. Er verhilft dieser Faser zu neuem Glanz. Denn er lässt seine Fotomodelle darin posieren. Besser gesagt, ihre Beine. Und was vom Körper noch übrig bleibt, wird in süße Dessous gesteckt. Das ist auch noch nicht ungewöhnlich. Das haben auch alle Männer gern. Ungewöhnlich daran ist, wo diese Mädchen ins Bild gerückt werden. Sie sind am Bundesverwaltungsgericht zu finden, an der Nikolaikirche, vor dem Völkerschlachtdenkmal. Sie schaffen sozusagen nackte oder besser gesagt halbnackte Tatsachen. Die Mischung aus ehrwürdigem Gebäude und ehrwürdigem Sexappeal macht die Poesie der Fotos aus. Sie sind attraktive Fremdenführer für die Stadt Leipzig.

Frauen sind immer eine Schlacht wert

Frauen sind immer eine Schlacht wert

Man kann da nicht wirklich wegschauen. Denn diese jungen Frauen haben Kurven und zeigen sie auch. Sie sind einerseits auf den Fotos Kunstprodukte und andererseits in ihrer fraulichen Ausstrahlung zugleich sehr real. Die Anziehungskraft der Fotos erlebten wir bereits zur Ausstellungseröffnung. Ich sah da plötzlich Leute, die hatten vorher unser Theater noch nie betreten. Halb Leipzig besucht die Ausstellung und schaut fasziniert auf die Arbeiten von Andy Koll. Einige reisen seinen Bildern (oder den Modellen?) sogar hinterher. Und es sind nicht nur Männer, die reges Interesse zeigen. Auch Frauen freuen sich an dieser sehr individuellen Auffassung erotischer Fotografie. Eine Freundin sagte zu mir: „Wenn ich die Fotos ansehe, wird mir ganz warm um den Bauch herum.“ Und wie fanden wir zu Andy Koll? Wie die Jungfrau zum Kind, könnte man sagen. Eines Tages sprach einer unsere Stammgäste zu Ingolf den Satz: „Ich kenne da einen, mit dem kannst du bestimmt.“ Und so wurden sie verkuppelt. Ingolf und Andy und von diesem Tag an erscheinen sie immer im Doppelpack.

Doppelpack, Andy Koll und Ingolf Serwuschok

Doppelpack, Andy Koll und Ingolf Serwuschok

Und  unser kleines Büro verwandelte sich in eine Art Atelier. Fotolampen, Kamera: alles steht bereit für das Thema Fotografie. Für unsere kleine Galerie im Theater hat sich diese Begegnung ausgezahlt. Die Nylon-Family, so nennt sich der Stab um Andy Koll, sitzt jetzt häufig im Kneipchen und spült interessante Leute an Land. Und so hoffen wir, dass diese Zusammenarbeit bleibt und auch dem Gedanken der Satire in noch folgenden Projekten Leben einhauchen kann.
Seit dieser Fotoausstellung sehe ich einige historische Gebäude von Leipzig in einem anderen Licht. Das Völkerschlachtdenkmal zum Beispiel. Ich höre die steinernen Helden des Monuments sagen: „Scheiß Napoleon. Um die Kleine da unten hätten wir uns prügeln sollen.“

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