Uta Serwuschok / 21. Okt 2009
Ohne uns läuft gar nichts – die Techniker von Sanftwut
Sagen wir mal so. Techniker muss man behandeln wie rohe Eier. Sie sind nicht nur wichtig. Ohne die läuft einfach nichts. Sie sind zwar die Leute im Hintergrund, haben aber den Status einer Diva. Unsere beiden Techniker sind nicht wie Diven. Da fehlt ihnen der edle Stoff um die Hüften. Nein, unsere Lichtonkels sind eher VIPs. Nur, dass sie selten zu Empfängen gehen. Man lädt sie nicht ein, man nimmt sie in die Pflicht in Sachen Licht und Ton. Sie sind wie die kleinen Lämpchen am Fernseher oder Computer, die auch im Ruhestand leuchten und uns damit sagen: wir sind stand by. Sie stellen sich in den Dienst derer, die da oben auf der Bühne rumkaspern oder ernste Dinge erzählen. Sie setzen uns ins richtige Licht und bei hysterischen Spielern auch in die Nesseln. Denn ein Techniker hat viel Macht. Wissen Sie, wie man ganz hinterlistig ein Gesicht kalkweiß in Szene setzen kann? Oder wie wunderbar Falten zu Furchen werden, nur weil da ein blaues Licht ist? Aber wissen Sie auch, wie liebevolle Techniker dir mit warmen Licht die Müdigkeit vom Gesicht nehme? Wie sie dir regelrecht ein Wohlfühlerlebnis zaubern und was für ein Gefühl von Sicherheit gegeben wird? Ohne unsere Scheinwerfer auf zwei Beinen wären wir fast nichts.

Dirk und Bojko auf der Sanftwut-Couch
Bei SANFTWUT sind die Techniker auch Künstler. Sie stehen selbst auf der Bühne. Dirk, der Koordinator aller technischen Vorgänge, spielt im E-Team und verkauft mit großem Erfolg abends zur Vorstellungspause seine Fettbemmen. Immer beginnend mit dem herrlichen Kommentar: “So, jetzt kommen wir zu dem unvergesslichen Teil des Abends.” Und Bojko spielt Dudelsack, macht Filme und singt. Letzteres macht er heimlich. Unter dem Vorwand des Einrichten der Tontechnik. Aber unsere Techniker bringen uns auch Tee, etwas zu Essen und erheitern uns mit ihren Kommentaren zum Publikum. Das sehen die beiden nämlich zuerst. Sie kriegen noch vor uns Kabarettisten eine Ahnung davon, wie der Abend läuft.
Jetzt zur Lachmesse hat die Technik viel zu tun. Uns Sanftwut-Kabarettisten kennen sie wie alte Latschen. Die Gäste der Lachmesse aber haben lauter unbekannte Größen im Gepäck. Man weiß nie vor ihrer Ankunft ob alles ausreicht, was bereit steht. Ob wirklich alles gut laufen kann. Da haben wir von dem Aufwand der Arbeit und der inneren Aufregung nicht wirklich Ahnung und da überlasse ich diesen Lichtzauberern gerne das Feld. Diese müssen ihre psychologische Erfahrung ausspielen, wenn einer verspätet kommt und nervös wird. Sie müssen der Ruhepol sein oder sich auch anhören, wenn etwas so gar nicht gefällt. Oder sie organisieren in Windeseile von einem anderen Theater ein neues Mikro oder ein fehlendes Requisit.

Künstler der Technik
Einmal vor vielen Jahren erlebte ich, wie die Rache von Technikern aussieht, wenn man sie nicht gut behandelt. Wir spielten damals noch im Boccaccio in der Eisnerstr. und hatten eine Künstlerin aus Frankfurt am Main zu Gast. Sie kam mit einem zwanzigseitigen Technikplan, wollte nur Biomöhren und Biowein und überhaupt nur Schnickschnack. Und sie quälte die Techniker, drei an der Zahl. Sie wollte Tontechnik wie eine Rockband. In diesem kleinen Boccaccio. Jeder griff sich an den Kopf. Die Künstlerin war vor der Vorstellung nicht auszustehen und wie wir dann erleben mussten, ihre Kunst auch nicht. Das Ding ging so was von in die Hose. Und da erlebte ich, wirklich nur einmal, was Techniker machen können, wenn du sie nicht gut behandelst. Ganz laut und so, dass die Künstlerin alles hörte, wurde darüber gesprochen, wie Scheiße der Abend war. Und da das Boccaccio keinen Hinterausgang hatte, musste der “Star” aus Frankfurt am Main an den Jungs der Technik vorbei. Irgendwie schaffte sie das auch. Die zweite geplante Veranstaltung einen Tag später sagte sie wegen Erkrankung ab.
Wir quälen keinen. Wir sagen unserer Technik und auch all den anderen an der Lachmesse beteiligten Technikern jetzt schon mal zur Halbzeit ein dickes Danke.

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