Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 30. Okt 2009

Freunde News

Die „Gaffeeganne“ mit prominentem Überraschungsgast

Jedes Jahr am Dienstag nach der Lachmesse verwandelt sich die Garderobe unsers Theaters in eine Art Laden für Geschenke. Überall im Gang stapeln sich Präsente, Blumen stehen in ihrer Farbenpracht und dazwischen springen aufgeregte Menschen herum. Menschen, die sich einer Idee verschrieben haben: der Pflege der sächsischen Sprache. Einmal im Jahr kämpfen sie um die „Gaffeeganne“. Für die Nichtsachsen: Kaffeekanne. In diese Ganne gann mor Gaffee gippen oder man stellt se daheem in de Vitrine. Aber erst mal muss man sie gewinnen.
Und darum findet dieser Wettbewerb statt.
Heuer gingen 12 Teilnehmer an den Start. Alle Liebhaber der Texte von Lene Voigt, aus deren literarischem Werk an diesem Abend die Darbietungen waren. Da finden sich plötzlich ein Rentner oder eine Buchhalterin auf der Bühne von SANFTWUT wieder und sie schlagen sich alle achtbar. Es ist so wunderbar zu beobachten, wie sie vor dem Vortrag noch einmal kurz tief Luft holen, dann brav sich vor dem Mikro ausrichten, beginnen und manchmal wieder stocken, weil vor Aufregung der Text nicht einfiel. Na gut, dann dreht man sich eben um, holt den bereitgelegten Text vom Flügel und liest halt auch mal ab. Man konnte viele kleine Unsicherheiten beobachten. Sicher aber waren sie sich alle in ihrer Liebe zu Lene Voigt. Unbestritten steht diese Autorin, die so wunderbar menschliche Texte schuf, in der Gunst der Kämpfer um die „Gaffeeganne“ hoch oben. Und immer wieder berühren auch mich Texte wie „Mein Liebster ist ein Vagabund“ oder „Dr Start ins Lähm“.
In der Pause zog sich die Jury zur Auswertung zurück und ein anderer zog ein. Heimlich, durch den Personaleingang, wurde der Überraschungsgast des Abends in unser Theater geschleust. Nur wenige wussten, wer auftritt. Als er sich dann nach der Pause für seinen Programmbeitrag durch den Vorhang schob, war die Freude beim Lene-Voigt-Publikum riesig. Tom Pauls, der Guru der Lene-Voigt-Kunst, stand vor ihnen. Das Raunen der Menge war aber nicht so, als wollte man sagen, was für ein berühmter Künstler! Nein, sie begrüßten ihn als einen der Ihren.

Zwei Gurus – Wolfgang U. Schütte und Tom Pauls

Zwei Gurus – Wolfgang U. Schütte und Tom Pauls

Und mit seinem Programmteil zeigte Tom Pauls einmal mehr, warum er zu Recht so beliebt ist. Immer noch verneigt er sich vor Lene Voigt und seinem Publikum, indem er seine Liebe zur sächsischen Sprache mit ihnen teilt. Er kam nicht, um den Amateuren zu zeigen, wie man etwas macht. Er kam, um mit ihnen sich über die Texte der Lene Voigt zu amüsieren. Und er nimmt sein Publikum mit auf eine Reise ins Neudeutsche und findet im Publikum Gleichgesinnte. Sie sind auf einer Ebene Künstler und Publikum. Tom Pauls an einem solchen Abend zu erleben, bedeutet eigentlich nicht, dass man sagt, ich habe Tom Pauls auf der Bühne gesehen. Eigentlich muss es richtig heißen: ich habe Tom Pauls getroffen.
Bleibt noch zu sagen: die „Gaffeeganne“ nebst Publikumspreis steht nun in der Wohnung von Gitta Steyer. Und die „Ehrengaffeeganne“ erhielt Bärbel Steinert für ihre Arbeit mit Kindern.

Feierliche Preisverleihung (Foto: Armin Kühne)

Feierliche Preisverleihung (Foto: Armin Kühne)

Wir von SANFTWUT freuen uns auf das nächste Jahr und sagen Wolfgang U. Schütte und der Lene-Voigt-Gesellschaft Danke für diesen hinreißenden Abend.

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