Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 13. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1991 – „Der Besserwessi“, ein Buch von Ingolf und das Wort des Jahres

1991 wird auch das Jahr sein, wo Ingolf gemeinsam mit Christine Dölle ein kleines Büchlein herausbringt.  Es trägt den Titel “Der Besserwessi” und ist eine schöne Sammlung von Witzen zum Verhältnis von Ost und West. Dieses Buch konnte nur entstehen, weil Ingolf, wie viele der Ostdeutschen, zu jener Zeit schlechte Erfahrungen mit westdeutschen Mitbürgern machte. Heute, wo wir uns in dieser Gesellschaft etabliert und eingelebt haben, ist nur noch wenig nachvollziehbar, wie Enttäuschungen unseren Alltag geprägt haben. Denn wie ist es bei großen Umwälzungen? Mit all den guten Dingen, gehen auch die negativen einher. Wir Ossis hatten an den neuen Erfahrungen tüchtig zu knabbern. Dies ersten Jahre waren ein bisschen wie Wildwest und so traf Ingolf den Nerv der Zeit.

Trotzdem alles kunterbunt und rauf und runter lief, verlor sich eine Idee immer mehr: die einer eigenständigen ostdeutschen Entwicklung. Ob beim Aufbau der Infrastruktur, der Städtearchitektur, der Bildung oder des Einzelhandels. Wir Ossis bekamen deutlich das westdeutsche Modell übergestülpt. Wobei nicht immer von einem Vorsatz auszugehen war. Zu rasant war die Entwicklung und eigene Ideen werden sich später ihren Weg bahnen. 

Dennoch, ein kleiner Teil der Bevölkerung im Osten erhielt sich das eigenständige Denken. Ingolf konnte das deutlich bei der Suche nach einem Verlag für den “Besserwessi” erfahren. Während einige renommierte Verleger ängstlich oder verunsichert  reagierten, erklärte sich ein kleiner Verlag bereit, die Herausgabe zu übernehmen. Es war der Forum-Verlag, Leipzig. Ihm und seinem damaligen Chef Rolf Sprink sei auf diesem Wege noch einmal gedankt.

Und mir sei eine persönliche Erinnerung gestattet: Ingolf hatte mit viel Freude und Engagement an diesem Büchlein gearbeitet und er lief dann treppauf und treppab nach einem Verlag. Auch Menschen, die wir kannten und von denen wir glaubten, sie seien locker, reagierten mit Ablehnung. Der Forum-Verlag war dann die eigentlich große Überraschung, denn wir glaubten nicht, dass sich jener Verlag, mit seinen ja nachweislich revolutionären Hintergrund, eines solchen Büchleins annahm. Als der “Besserwessi” gedruckt war, ging Ingolf mit mit einigen Exemplaren über die Leipziger Buchmesse. Eher entspannt, denn sein Buch war auf dem Verlagsstand vertreten und er musste keine Klinken mehr putzen. Auf seinem Gang durch die Messehallen kam er auch an einem Stand vorbei, wo ein Verleger sich aufhielt, der das Buch abgelehnt hatte. Für mich ist unvergessen, wie Ingolf, auf dem Boden sitzend und aus seiner Tasche kramend, das frisch gedruckte Büchlein rausholte und es dem verdatterten Verleger voller Stolz in die Hand drückte. Ein wirklich schöner Moment. (Als PS muss man anmerken, dass dieser Verleger heute ein echter Freund von uns Sanftwütigen ist. So ändern sich die Dinge.)

Es soll auch erwähnt sein, dass der “Besserwessi” ein großer Verkaufserfolg und das Stammkapital von “Sanftwut” wurde. Selbst der “Spiegel” veröffentlichte einen großen Artikel zur Bucherscheinung.

Das Wort “Besserwessi” wird auch das Wort des Jahres 1991.

1991 ist auch das Jahr, wo Sanftwut in neuer Besetzung spielt. Für Susan Störel kommt Margitta Erler. Es entsteht das Programm: “Demokratisch, aber glücklich”.

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