Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 18. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1993 – Latte Macciato in Südafrika und Friedensnobelpreis für Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk

Wir Ossis erinnern uns noch gut an jene Zeit, als wir für die Freilasssung von Nelson Mandela kämpften. Auf unsere Weise. Wir sangen Lieder, die nur wenige in der Welt hörten, sammelten Altpapier und schrieben viele liebe Briefe an Mandela ins Gefängnis und ganz Fanatische schmierten sich schwarze Schuhcreme ins Gesicht, um die Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Für uns Ossis war Mandela ein Held. Wir schauten zu diesem Kämpfer für das Recht der Schwarzen in Südafrika auf. Nicht jedes Idol, so mussten wir später erfahren, hielt den Erwartungen des Volkes stand. Mandela aber ist einer, der von Arm und Reich gleichermaßen geschätzt wird.

Als er 1990 das Gefängnis verlassen konnte, brach für Südafrika ein neues Zeitalter an. Ich nenne dieses Zeitalter LATTE MACCIATO. Ja, weil die Abschaffung der Apartheid etwas von diesem köstlichen Getränk hat. Man mixt Weiß und Schwarz. Milch mit einem kräftigen Espresso. Wenn sie zusammen verschmelzen, bereiten sie uns den Genuss, der uns manchmal durch den Tag trägt.

Die Abschaffung der Rassentrennung ist aber nicht nur das Ergebnis zweier Männer, die dafür den Friedensnobelpreis bekamen. Ähnlich wie zur Wende in der DDR war die Zeit dafür reif. Dahinter standen ganz knallharte wirtschaftliche Interessen und ein paar ausgeschlafene Köpfe, die wussten, dass die globale Entwicklung nicht funktionieren kann, wenn man fast ein ganzes Volk von Bildung, Wirtschaft oder Umweltpolitik fern hält. Vermutlich hatten die Weißen die Schnauze voll, das Land allein zu regieren. Und außerdem schliefen schon Jahrzehnte heimlich die weißen Witwen mit ihren jungen schwarzen Zugehmännern (Dafür bekam man unter der Apartheid Knast. Da hätte Boris Becker lebenslänglich bekommen.) Und ebenso trugen heimlich schon clevere Schwarze zum wirtschaftlichen Erfolg vieler Firmen bei . Hinzu kamen noch die komischen Verwandten aus Amerika, die dann erzählten, dass man in New York sogar als Schwarzer Anwalt werden kann. Ganz klar waren die Hintergründe objektiver Natur.

Dennoch, jede große Veränderung braucht ihre Idole . Mir ist kein Politiker weltweit bekannt, der so integer ist, wie Nelson Mandela. Wenn der Vatikan sich entschließen könnte, einen ANC-Führer heilig zu sprechen, dann würde irgendwann dies mit Nelson Mandela passieren.

Im Rahmen der Fussballweltmeisterschaft sah ich eine Reportage, die mich sehr an Ost- und Westdeutsche erinnerte. An jene Zeit, als wir uns annäherten. Die Reportage beschäftigte sich mit den Vorteilen der Fussball-WM in Südafrika. Und ganz oben auf der Liste empfanden sowohl Schwarze als auch Weiße es als besonders schön, dass sie gemeinsam auf den vielen Plätzen des Landes saßen, tranken, redeten und die WM-Spiele ansahen.

Annäherung war in diesem Jahr für viele Südafrikaner der eigentliche Gewinn. Denn noch immer stehen schwarze Frauen auf, um einem weißen Mann im Bus Platz zu machen. Das ist so drin! Und es wird wohl noch dauern, bis ein weißer Mann für eine Schwarze aufsteht. Es sei denn, es ist Naomi Campbell. Aber die fährt ja nicht mit dem Bus.

Aber sie trinkt Latte Macciato! :-)

Post to Twitter

Kommentare

keine Kommentare

Kommentar schreiben

(erforderlich)