Uta Serwuschok / 21. Aug 2010
Erinnerungen Kabarett zum Brüllen
1994 – Der Baulöwe Dr. Jürgen Schneider geht pleite

"Baulöwe" Schneider ist pleite
1994 erleben wir Ossis eine spektakuläre Pleite. Der in Leipzig hochgelobte Baulöwe Dr. Jürgen Schneider ist nicht mehr zahlungsfähig und macht sich, wie der Sachse sagt, vom Acker. Plötzlich wurde einer, der als Vorbild im Nachwende-Leipzig galt, mit internationalem Haftbefehl gesucht. Die Presse fiel über ihn her und erstmalig wurde deutlich, wie Doppelmoral aussieht, wenn sie ihre dunklen Seiten zeigt.
Auf einmal rückten ”Freunde und Bekannte” vom Baulöwen ab. Die ihn in guten Zeiten umgarnten, waren nicht mehr vorhanden. Man zeigte sich empört und es gab ein moralisches Geschrei.
Heute wissen wir, dass diese Pleite von Jürgen Schneider, verglichen mit der internationalen Banken- und Immobilienkrise, tatsächlich eine Randerscheinung auf diesem Markt war.
In dieser Schneider-Affäre machte ein Wort die Runde, ausgesprochen vom damaligen Deutsche Bank Chef Hilmar Knopper: PEANUTS
PEANUTS wird auch das Unwort des Jahres 1994.
Knopper hatte den Überblick und wusste wovon er sprach. Wir wollten das nur nicht wahr haben. Rückblickend sei gesagt, dass einer der Unterschiede von Schneider zu den Verantwortlichen der aktuellen Banken- und Immobilienkrise darin besteht, dass Dr. Jürgen Schneider 1996 verurteilt wurde und seine Strafe verbüßte. Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die an der globalen Krise Schuldigen keineswegs verurteilt werden. Sie kommen ungeschoren davon. Häufig sogar mit Abfindungen. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Schneider.
1996 konnten wir Bürger noch an den Rechtsstaat glauben. Doch gegenwärtig sind wir von einer glaubhaften juristischen Aufarbeitung weit entfernt. Der größte Skandal besteht darin, dass die betroffenen Bürger vieler Staaten in der Welt als Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Unter dem Motto: “Steuerzahler haften für ihre Sünder.”
Wir von Sanftwut wussten zu dieser Zeit noch nicht, dass die Mädler-Passage, welche ebenfalls von dem Schneider-Skandal betroffen war, unser neues zu Hause wird. Der Fall Schneider wird zwei Jahre später auch ein Fall für Sanftwut, denn da begannen die Verhandlungen für die Schaffung unseres kleinen Theaters in Leipzigs schönster Passage. Doch darüber reden wir, wenn wir mit der Chronik 1996 angekommen sind
Was wurde bei Sanftwut 1994 gespielt?

Sanftwut damals (Thomas Störel, Jürgen Kunz, Ingolf und Uta Serwuschok)
Die Programme “Wir sind nicht doof zu kriegen – FIRMAmente in d-moll” und “Hereinkassiert, hereinkassiert”. Für Margitta Erler ist ab 1993 Dr. Jürgen Kunz im Ensemble.

FIRMAmente in d-moll
Und, wir haben einen Regisseur: Rainer Otto, der ehemalige Chef der Leipziger Pfeffermühle. Er wird uns nun viele Jahre künstlerisch zur Seite stehen.

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