Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 21. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2003: Das Erfolgsprogramm “Super-Hammer-Haileids” hat Premiere.

Dabei ist es nicht garantiert, dass man mit einem Reprisen-Programm auch einen Publikumserfolg landet. Ich erinnere mich noch genau, dass wir nach der Uraufführung, die immer eine Art erster wichtiger Test ist, mit hängenden Ohren an der Niere (Künstlerbank in der Garderobe) saßen und diskutierten. Irgendwie vermissten wir die Stimmung im Publikum, von der wir meinten, dass diese durch die Anhäufung erfolgreicher Nummern gewährleistet sei. Es kamen Zweifel auf.

Diskussion mit unserm Kaiser Otto

Diskussion mit unserm Kaiser Otto

Rainer Otto, unser Regisseur, war sehr skeptisch. Würden die Texte aktuell genug sein? Stimmt die Zusammenstellung?  Springt der Funke zur Premiere über?

Er sprang. So sehr, dass dieses Programm drei Jahre gespielt wurde. Wir mussten mehrfach Aktualisierungen vornehmen, weil uns zum Beispiel das Thema Olympia-Bewerbung der Stadt Leipzig schleichend abhanden kam.

Dieser Rummel um die Olympiade fand in in einem Medley von Opernklassikern ein fulminantes Finale. Wir waren zu erleben als Frau Tiefensee, Luciano Pavarotti und José Carreras. Und wir sangen sehr witzige Arien. Wie zum Beispiel “Ave Malaria” nach dem Heiligtum “Ave Maria”. Wir hoben die “ernste Musik” vom Thron und waren frech ohne Ende.

Operndiva dreifach

Operndiva dreifach

Erst verlor Leipzig die Olympiabewerbung, dann starb Pavarotti und Wolfgang Tiefensee verflüchtigte sich nach Berlin, um dort Politik zu machen. Es gab nie wieder die Möglichkeit, diese Traumnummer noch einmal aufzunehmen. So können wir nur alte Fotos betrachten und uns daran erinnern, wie wir in farbenprächtigen Kostümen eines der schönsten Finale spielten.

Die “Super-Hammer-Haileids” orientierten sich dramaturgisch an der Frage: Welche Nummern mochte das Publikum? Was haben wir als Kabarett gern gespielt? Da wäre zum Beispiel die Bauarbeiterszene “Offn Dache”.

Das legendäre "Wo denne? Isch sääh denn nisch!"

Das legendäre "Wo denne? Isch sääh denn nisch!"

Die Auswahl für das Jubiläumsprogramm “Kabarett zum Brüllen – 20 Jahre Deutsche Gemeinheit” erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Analyse von Ensemble- und Gesellschaftsgeschichte. Wir haben viel recherchiert und nicht nur auf die Erfolgsnummern vertraut. Und wir erprobten neue Formen, die jung und kreativ daherkamen. Sie waren ein Experiment, doch der Erfolg gab uns Recht.

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