Uta Serwuschok / 25. Nov 2010
Erinnerungen Kabarett zum Brüllen
2004 steht unter dem Motto: „Pantoffelhelden an die Macht“.

Kaffeesäcke auf zwei Beinen
„Pantoffelhelden an die Macht“ ist ein politisch-satirisches Programm. In Deutschland macht sich Unzufriedenheit unter der Bevölkerung breit. Die Arbeitsmarktreformgesetze werfen ihre Schatten voraus und Ulla Schmidt setzt die umstrittene Gesundheitsreform durch. Soziale Kälte wird nun der Volkspartei SPD und den Grünen vorgeworfen. Hinzu kommt, dass wir einen Kanzler haben, dessen besonderes Talent in der Selbstinszenierung liegt. Seine Liebe zu den Medien ist unübersehbar und so ist die Zeit der Rot-Grünen-Koalition auch eine Art mediales Zeitalter.
Derweil bereitet sich die neue Vorsitzende der CDU, Angela Merkel, auf die Machtübernahme vor. Sie wirft in einem harten Wahlkampf die wirtschaftliche Kompetenz der CDU in die Waagschale. Die SPD verliert an Ansehen und vermag die Mehrheit des Volkes nicht mehr hinter sich zu bringen. Die Arroganz von Schröder gegenüber seinen politischen Kontrahenten findet ihren Höhepunkt in der Wahlnacht 2005, wo Schröder in einer Talkshow Angela Merkel den Wahlerfolg streitig macht. Als könne er nicht rechnen. Er verliert endgültig sein Gesicht.
Der Hang Schröders zur Selbstdarstellung ist ein idealer Teppich, auf dem sich ab 2005 die Kanzlerin bewegen wird. Denn während Schröder den Beinamen „Schauspieler“ trägt, profiliert sich Angela Merkel als „Macherin“. Sie ist die Naturwissenschaftlerin, die nach Faktenlage entscheidet und die dem Wähler den Eindruck vermittelt, dass sie arbeitet. Das steigert ihre Beliebtheit und mir ist kein Mensch bekannt, der sich Schröders zurück gewünscht hat.

Mann(i) unterm Pantoffel
„Pantoffelhelden an die Macht“ ist also eine besondere Form der Abrechnung mit der Rot-Grünen-Koalition.
Wenn ich das Textbuch mir heute anschaue, so ist es eine ziemlich düstere Analyse. Dennoch, die Nummern sind originell und witzig. Besonders schräg ist die Szene, in der wir Abhörwanzen spielen. Das einzige Mal, wo wir auch unter dem Flügel agieren. Wir sind ja Wanzen, die man nicht entdecken darf. Ein Lieblingstext von mir aus diesem Programm ist: „Moni im MoMA“. Ein volkstümlicher Exkurs über die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts. Das Lied „Ich mag es“ wurde in aktualisierter Fassung ins Programm „Kabarett zum Brüllen“ aufgenommen.

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