Uta Serwuschok / 27. Feb 2011
Wenn wir uns mit dem Publikum blind verstehen
Wir haben ein sehr erfolgreiches Wochenende mit wunderschönen Vorstellungen hinter uns. Es herrschte immer prächtige Stimmung und unser Programm “Kabarett zum Brüllen” bereitet uns und dem Publikum große Freude.
Im Schlusslied “Ich mag es” habe ich eine Zeile, wo ich das Publikum auf den Arm nehme. Ich singe dort: “Ich mag es, nimmt ein Gast hier in der ersten Reihe Platz, auch wenn er mit dem Rücken zu mir sitzt…”
Am Freitag sah ich von der Bühne aus, dass ein Mann uns zwar nicht den Rücken zudrehte, aber er saß seitlich und ich nahm an: der hat kein Interesse an uns. Ich freute mich schon auf das Schlusslied, denn ich wollte zu ihm an den Tisch gehen und ihn ironisch ansingen. Dann aber bemerkte ich, dass er blind war. Oder zumindest stark sehbehindert. Und ich durfte auch bemerken, dass er sich von allen im Saal am meisten freute. Er schaute nicht zu uns, doch er hörte voller Spannung und war mit all seinen Sinnen bei uns auf der Bühne.
In einer ohnehin lebendigen Vorstellung war er der lebendigste von allen Gästen. Er war glücklich und klatschte bis zum Schluss ganz laut.
Das ist ein sehr großes Kompliment für uns. Denn Produzenten von Hörspielen oder Hörbüchern wissen, wie wichtig es ist, ausdrucksstarke Stimmen zu finden, die den hohen Ansprüchen gerecht werden.
Besonders unsere Lieder erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit bei Blinden und sehbehinderten Gästen. Wenn sie bei uns sind und nicht aufhören, uns Beifall zu spenden, dann ahnen wir, was es bedeutet, wenn man sagt: “Wir verstehen uns blind.” Dann wissen wir, wir haben uns in ihre Seelen gespielt.
So wurde dieser Gast, der mir fast den Rücken zudrehte, ein ganz besonderer am Freitag Abend.
Sanftwut sagt DANKE und AUFWIEDERHÖREN!

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