Uta Serwuschok / 15. Mrz 2011
Heute hau'n wir auf die Pauker News
“Kinder von Hiroshima” und eine Erinnerung an die Schulzeit
In den letzten vier Tagen schlich ich um den Blog und wusste nicht so recht, wie ich zum Alltag zurück kann, in Anbetracht der Ereignisse in Japan.
Was mich besonders irritierte war die Tatsache, dass Japan so stark auf die nukleare Energie setzte. Mir wurde durch die Katastrophe dieser Umstand erst bewusst und ich frage mich, wie tief ihr Glaube in die Fähigkeiten der Technik sein musste, sieht man auf die Geschichte des Landes.
Am 6. August eines jeden Jahres steht für einen Moment das Leben in Japan still. Die Menschen verharren in tiefem Gedenken an die Opfer des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.
Und während sie gedenken, liefern Atomkraftwerke auf der ganzen Welt uns die Energie, die wir vorgeben in großen Mengen zu brauchen.
Wenn ich heute das Leid jener Menschen sehe, die das Erdbeben mit seinen verheerenden Folgen ertragen müssen, frage ich mich, inwieweit geschichtliche Erfahrung bei den Entscheidungen zur Energie eine Rolle spielen.
Ich erinnere mich an einen wichtigen Punkt des Lehrplans aller Schulen der DDR.
Im Geschichtsunterricht durften wir Kinder ein beeindruckendes Zeitdokument kennen lernen. Es sind die Erinnerungen japanischer Kinder zum Abwurf der Atombombe in Hiroshima: “Kinder von Hiroshima”, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1965.
Diese Berichte sind so lebendig, als wären sie erst gestern geschrieben und sie sind auch eine große Mahnung an die Betreiber jener Wunderkraftwerke auf der ganzen Welt, die uns heute entsetzen lassen über das Leid, was Menschen im Störfall hinzunehmen haben.
Wenn wir bei Sanftwut in den nächsten zwei Tagen “Heute haun wir auf die Pauker” spielen, dann denke ich auch an jene Zeit zurück, als wir als frecher Haufen im Klassenzimmer tobten oder nölten über die vielen Hausaufgaben und ich denke daran, wie es still wurde, lasen wir aus jenen Erinnerungen der Kinder von Hiroshima. Ich danke meinen Lehrern für diese Art Geschichtsunterricht.
Fukushima war ein Ort, den bisher kaum einer kannte. Viele Menschen gäben ihr Vermögen, wäre er auch weiterhin einfach nur ein unbedeutender Punkt auf der Weltkarte.

Kommentare
Frank Borzutzki schrieb am 16. März 2011 um 21:50 Uhr
Es ist schon eine traurige Geschichte die wohl jeden halbwegs normalen und gebildeten Menchen nicht einfach kalt läßt,auch wenn sie sich in weiter Ferne abspielt. Nur Politiker weltweit und leider auch unsere begreifen nichts aber, auch gar nichts. So wird von unseren Politikern aller Parteien dieses furchtbare Ereignis in Japan auch für den zu führenden Wahlkampf genutzt.Es geht den einen Parteien nur immer darum,wie erhalten wir unsere Macht und den anderen,wie kommen wir an die Macht. Um die eigentliche Sache geht es nie. Machtausübung und Profitstreben sind leider die Triebkräfte dieser Gesellschaft und dabei bleibt alles was richtig und gut ist auf der Strecke. Da wir uns ja eine Demokratie nennen,können Wissenschaftler und Wirtschaftsexperten sagen und beweisen was sie wollen,aber ändern tut sich nichts.Das Kapital bestimmt mit Unterstüzung der an der Macht befindlichen Politiker und das unter dem Deckmantel Demokratie.Diese Erkenntnis habe ich erst nach der Wende bekommen.In der DDR war für mich der Westen die anstrebenswerte Gesellschaft. Heute würde ich das nicht mehr sagen. Auch Sie im Kabarett können alles sagen,aber ändert sich was? Aber ich komme trotzdem immer gern in Ihre Programme.
Uta Serwuschok schrieb am 20. März 2011 um 16:50 Uhr
Lieber Leser und Sanftwut-Besucher Frank Borzutzki, wir treffen immer wieder Menschen, die danach fragen, ob es etwas verändert, wenn wir Kabarett spielen oder ob Wahlentscheidungen der Bürger zu Parlamenten (egal auf welcher Ebene) etwas bewirken.
Der Sinn unseres Daseins als Kabarettisten besteht natürlich in erster Linie darin, die Zuschauer zu unterhalten. Einigen mag diese Zielstellung banal erscheinen, ich aber glaube, dass dies eine wunderbare Sache ist. Denn sie vermittelt dem, der mit den anderen im Saal sich amüsiert oder auch nachdenkt, dass er sich in einer Gemeinschaft denkender Leute mit ähnlicher Erfahrung befindet. Der Wert unserer Abende liegt einmal darin, dass Lachen generell viele Medikamente erspart und unsere Seelen ein ganz kleines bisschen streichelt. Zum anderen aber nimmt es uns Menschen, die wir uns mit der Gesellschaft auseinandersetzen, auch das Gefühl von Einsamkeit. Denn einsam kann man schnell werden, in einer zur Oberflächlichkeit neigenden Zeit. Man trifft bei uns sozusagen Gleichgesinnte. Wir hören von ähnlichen Auffassungen oft in den Gesprächen hinterher mit dem Publikum und ehe man sich versieht, befindet man sich in tiefgründigen oder weniger tiefgründigen Diskussionen. Der Wert von Kabarett oder Kunst allgemein liegt besonders in diesem gemeinschaftlichen Erleben, Lachen und Nachdenken. Das hilft durch den Alltag.
Schade ist, dass sich nur wenige Blogleser an den Kommentaren beteiligen. Aber Sie können sicher sein, Ihr Kommentar wurde gelesen und mancher hat in diesem Moment sich sehr mit Ihnen verbunden gefühlt. Denn diese bedrückende Wahrheit ist in aller Munde. Sie kommt nur nicht dort an, wo sie ankommen müsste. Theoretisch schon, aber in der Praxis zeigt uns das Geschäft der Politik eine große Entfernung von Volk und Regierenden an.
Ich bedanke mich im Namen meiner Mitstreiter sehr für Ihre Gedanken, Sie haben mir gut gefallen und wie Sie sehen, setze ich mich damit auseinander.
Bleiben Sie uns und Ihrer aufmerksamen Art treu.
Herzlichst, Uta-Moni (Uta Serwuschok)