Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 02. Mai 2011

News

Die Dichterin Lene Voigt wäre heute 120 geworden – eine tolle Party bei Sanfwut

Lene Voigt, die beliebte sächsische Dichterin, wäre heute 120 Jahre geworden. Sagen wir mal so, dass sie diese nicht mehr selbst erlebt, ist vielleicht auch ein Segen. Sie wäre vermutlich schwerhörig, nicht mehr gut auf “de Beene” und hätte ein klapperndes Gebiss. Das wäre bei ihrer Geburtstagsparty gestern (bei Sanftwut) nicht schön gewesen. Denn sie hätte als 120-jährige Greisin von der prächtigen Stimmung nichts mitbekommen. So aber, da sie schon lange nicht mehr unter uns ist, besteht zumindest für die gläubigen Fans die Hoffnung, dass sie ihre Geburtstagsfete beobachtet und ihre wahre Freude gehabt hat.

Lenchen Voigt in jungen Jahren

Hier ist ein kleiner Geburtstagsbrief für die Jubilarin!

Liebe Lene Voigt,

wir haben es dir und uns gestern ganz hübsch gemacht. Deine treuen Bewunderer der Lene-Voigt-Gesellschaft haben unser Sanfwutkneipchen mit Plakaten von dir geschmückt. Auf den Tischen lagen wie “Daheeme” Bücher und Broschüren mit deinen Werken und überall standen kleine Bilderrahmen mit Fotos von dir. Es war wie in deinem Wohnzimmer. Sehr gemütlich.

Dann kamen die Gäste, stürzten sich auf all die hübschen Broschüren und im Nu waren diese verschwunden. Da kannst du mal sehen, wie du als 120jährige immer noch ankommst bei den Lesern. Und wie sehr sie dich mögen. Du bist immer noch eine ganz heiße Ware. Das schafft manch Nobelpreisträger nicht. (“Nobelträger “würde der Sachse sagen.)

Später dann betrat ein weißhaariger, aber sehr jugendlich daherkommender Mann das Theater und sagte: “Hallo, ihr Alle” und die “Alle” sagten auch “Hallo”, und damit war klar, der Abend kann laufen. Denn es war Tom Pauls. Dein Enkel (Ururenkel) sozusagen, denn irgendwie ist er das. Er interpretiert deine Werke so, als hättest du ihn gestillt. Naja, geht ja bei dem Altersunterschied nicht. Sagen wir mal, er ist mit deinen Genen ausgestattet.

Nicht nur, dass er stilsicher und witzig deine Gedichte, Balladen und Texte behandelt. Er erzählt auch ganz liebevoll von deinem persönlichen Weg. Der ja zu Teilen nicht wirklich glücklich verlief. In den Momenten, in denen er über deine Liebe erzählt und deine Verluste, wird es im Saal ganz still, denn jeder ist berührt von dem, was da zu hören ist. Zum Beispiel von deiner großen Liebe, die du beschützt hast vor Neid und Missgunst deiner Umgebung. Wie klug du warst, Lenchen. Und wie groß dein Herz. :-)

Der Tom hatte eine Band mit, die von Rainer Vothel. Die Jungs mussten sich auf unserer kleinen Bühne mit Schlagzeug, Klavier und Gitarre ganz schön dünne machen und haben für den Rhythmus im Saal gesorgt. Wenn du, liebe Lene, von oben zugehört hast, dann muss es dir in den Beinen gezuckt haben. Im Saal wippten und klatschen die Fans jedenfalls immer mit.

Der Wolfgang U. Schütte hat auch eine Laudatio gehalten. Aber eine ganz kleine. Das war auch eine besondere Laudatio, weil sie immer von dem aufdringlichen Klingeln eines Handys begleitet war. Ich bin mir sicher, Lenchen, du hättest dazu einen ganz bissigen Text geschrieben. Überhaupt denke ich, du hättest viel über unseren Alltag zu sagen. Aber leider bist du nicht mehr unter den Lebenden.

Aber lebendig bist du schon! Und du hast jetzt auch eine Gedenktafel. Nur wenige Schritte von unserem Theater entfernt. Kannst ja mal von oben deinen Blick hinwandern lassen.

Lenchen, weißt du eigentlich, dass dein Enkel Tom Pauls dir eine neue Heimstatt in Pirna gibt. Der baut dort ein Theater. Ein ganz schickes, und nimmt sozusagen dich ein Stück nach “Pirne” mit. Es wird dir dort auch gefallen.

Wir wünschen Tom für dieses Theater ganz viel Glück. Du doch sicher auch, Lene?  Denn Menschen, die sich kümmern und Engagement für eine Sache im Herzen tragen, waren immer in deiner Gunst. Das können wir aus all deinen Werken lesen.

Prosit, Lenchen, wir stoßen mit einem Prosecco an. Denn der ist wie du mit 120. Frisch und spritzig! :-)

Deine Sanftwütigen und die ganze Schar der Lene-Voigt-Gesellschaft!

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