Uta Serwuschok / 06. Mai 2011
Angela Merkel redet frei von der Leber weg …
…und was machen wir Wähler? Wir empören uns, weil sie aus tiefstem Herzen bekundet, dass sie die Tötung Bin Ladens freut. Ist diese Welle der Empörung über Angies Aussage nicht seltsam? Immer fordert das Wählervolk, die Politiker mögen doch die Wahrheit sagen. Das hat sie getan, unsere Angie. Aber nun zerfetzt sich halb Deutschland das Maul, einfach nur, weil die Kanzlerin sagt, was sie denkt. Keiner würdigt, dass sie endlich mal Emotionen zeigt. Das hat sie zum letzten Mal zur Fußballweltmeisterschaft 2006 getan. Erinnert ihr euch, wie sie auf der Zuschauertribüne fast aus dem Anzug sprang vor Freude über die deutsche Nationalmannschaft? Da habe ich mich über meine Kanzlerin gefreut.
Die letzte Zeit habe ich mich oft über sie geärgert. Zum Beispiel, als sie mit der Schavan eine SMS las (wohl über Guttenbergs Rücktritt) und beide wie alte, hinterhältige Weiber grinsten. Da habe ich mich für mein Geschlecht geschämt.
Angie hat zu Bin Ladens Tötung ihren Klartext gesprochen. Das ist besser, als den Wähler zu verarschen. Wie immer man zum Sachverhalt steht.
Eine ungeschickte Kanzlerin ist mir manchmal lieber, als die ständig abwägenden, aalglatten Typen, die unsere Politik, die Medien und besonders die Kirche vertreten. Wenn ich denen zuhöre, fange ich mich an zu ekeln.
Eine eigene Haltung ist häufig umstritten. Aber man kann sich damit auseinander setzen. Und dazu ist Politik ja eigentlich da. Und ich bevorzuge den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen.

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