Uta Serwuschok / 22. Mai 2011
“See you in Walhalla” – ein großer Opernabend in unserem kleinen Theater

Sanftwut mit den Walküren
Sommer letzten Jahres sagte Ingolf, was unser Theaterdirektor und Isabelle ist, dass er für ein paar Tage nach Bayreuth zu den Festspielen fährt. Er würde sich eine Inszenierung der Kammeroper Leipzig in der Villa Wahnfried in Bayreuth anschauen. Er hätte dort einen Platz in der ersten Reihe. Ingolf in der Villa Wahnfried!
Wir gelacht ohne Ende, weil wir dachten, er verklappst uns. Aber nein, er fuhr und brachte ein Souvenir von den Festspielen mit. Die ungewöhnliche Inszenierung “See you in Wallhalla” von der Kammeroper Leipzig. Die Moni würde sagen, das nennt sich Kammeroper, weil die das in so einem kleinen Rahmen spielen. Fast e bissel, wie Daheeme.
Aber bei Moni Daheeme gibt es nicht so beeindruckende Stimmen wie wir sie heute in unserem Theater von Katharina Wingen, Barbara Graf und Anette Lubosch hören konnten.
Die Inszenierung schuf einen gedanklichen Rahmen. Die drei großen Wagner-Interpretinnen Martha Mödl, Birgit Nilsson und Astrid Varnay wollen gemeinsam einer Einladung vom Wagner-Erben Wieland folgen. Sie warten auf ihren Flug mit “Rheintöchter-Airline”. Diese kann wegen schlechten Wetters nicht starten und so beginnen die Frauen in Erinnerungen zu kramen.
Eine sehr schöne Idee, weil sie auch leichte Anekdoten und Erlebnisse aus dem Leben bereit hält. Die Dialoge waren eher schüchtern und verdienen, dass die Künstlerinnen mit mehr Mut an die Sache gehen. Aber angesichts wunderschöner Arien trat das in den Hintergrund.
Oper, so wissen wir, hat immer etwas Heroisches. Und so gesehen ist der Mensch im Publikum meist etwas kleiner, als jene Akteure, die der Musik den Glanz durch ihre Stimmen verleihen.
Heute Abend erlebten wir etwas ungewöhnliches für die Kunst der Oper. Die Diven, wie wir sie liebevoll nennen, waren ganz dicht an uns dran. Sie scheuten sich nicht, mit einem halben Meter Entfernung zum Zuschauer, dramatische Arien zu singen. Und diese auch konsequent so zu gestalten. Sie bewiesen mit dieser Form erstaunlichen Mut.
Die Künstlerinnen der Kammeroper Leipzig zeichnet etwas aus: Sie singen diese Arien aus Liebe zur Musik Richard Wagners und bringen sie uns so nah. Sie sind eben nicht nur sehr gut ausgebildete Sängerinnen. Sie leben diese Musik. Und sie scheuen sich nicht, in dem kleinen Theater all ihre Gefühle auszuleben. Dramatik wird nicht ausgespart und der Raum ist erfüllt mit einzigartigem Klang. Man sitzt gebannt da und denkt, was wollen die hier? Paar Schritte weiter ist das Gewandhaus. Warum sind die nicht dort?
Vielleicht, weil ihre ungewöhnliche Idee der Kammeroper doch irgendwie zu uns passt.
Klar, die Bühne war schon etwas zu klein und ich staunte, wie sie ihre Körper durch die Bühnenausstattung navigierten. Aber wenn sie sangen, dann ging so ein Hauch von Mailänder Skala durch unser Theater. Aber die Skala hat ja große Chöre und ein großes Orchester und die Kammeroper hatte “nur” einen Pianisten. Einen Konzertpianisten. Ekkehard Meister. Und der war einfach nur gut.
Als Ingolf von den Festspielen aus Bayreuth zurück kam sagte er damals: “Parsifal war nichts, gegen die Kammeroper Leipzig.”

Ein Blumengruß für die Diven
Moni würde als Fazit sagen: “Mir warn in der Kammerober Leipzsch, wegen dem Geburtstag von dem Richard Wagner. War ne klasse Fete. Und die Frauen hatten Stimmen! Allerdings, wo die Diven den Walkürenritt zu dritt gesungen haben, da hatte ich Angst, die Fensterscheiben zerdepperts, wegen der vielen, aber schönen Dezibel im Raum.”

Kommentare
keine Kommentare