Kabarett-Ensemble SanftWut

Uta Serwuschok / 15. Okt 2011

Lesung bei Sanftwut News

DEPRESSION – Leseprobe und Karikatur aus der “Verkäuferin”

Hier schreibt euch Uta-Moni, die für lange Zeit nun nicht im Blog schrieb, weil ich über dem Büchlein “Woran erkennt man eine ostdeutsche Verkäuferin?” sitze.

Es sind mehr Kurzgeschichten geworden, als geplant und die Arbeit daran macht viel Spaß. Auch, weil die Erinnerungen meine Seele erwärmen. In dem Büchlein gibt es eine Rubrik, die nennt sich “Abgelauscht”. Das sind ganz kleine Impressionen, die ich beobachtet oder wie der Titel schon sagt, abgelauscht habe.

Eine habe ich als Leseprobe für euch rausgesucht:

DEPRESSION

In der Straßenbahn saß eine Großfamilie. Da waren Oma, Opa, eine erschöpfte Mutter und ihre drei Kinder, die um die dreizehn, zehn und fünf Jahre alt waren. Um die Familie herum stand ein Berg von Gepäck.

Der Fünfjährige, besonders lebendig und ein Klettertalent, hangelte sich nun über die Koffer und Körper seiner Großeltern und Geschwister durch die Straßenbahn. Er bewegte sich wie ein Gibbon und freute sich über die Resonanz der Fahrgäste, die ihn aufrichtig bewunderten.

Besonders amüsant waren seine Darbietungen an den Haltestangen, um die er sich artistisch und elegant wickelte.

Die Mutter erwies sich als kampferprobt und ertrug alles stoisch. Als er allerdings über ihren Kopf klettern wollte und sich in ihren Haaren festkrallte, verlor sie die Geduld. Sie setzte ihn resolut neben sich auf die Bank mit dem altbekannten Kommentar: “Es reicht jetzt!”

Das fand der Junge überhaupt nicht und inszenierte einen Weinanfall. Zwischen beiden entbrannte ein Kampf, denn der Junge versuchte fortwährend auf neue Klettertour zu gehen.

Völlig entnervt sagte irgendwann die Mutter zu ihm: “Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, wir haben dich in der Depression gezeugt!”

aus Philipp Sturms Skizzenbuch: Utas Pechvogel in Familienaufstellung

Post to Twitter

Kommentare

keine Kommentare

Kommentar schreiben

(erforderlich)