Uta Serwuschok / 28. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1996: “Rentnerschwemme” ist das Unwort des Jahres und aus Frankensteins Labor wackelt das Schaf Dolly

Es war uns leider nicht gelungen, herauszufinden, wer das Wort “Rentnerschwemme” erfunden hat. Aber es ist so schaurig, dass wir es hier mit veröffentlichen.

Rentnerschwemme - Eine Interpretation von Philipp Sturm

Rentnerschwemme - Eine Interpretation von Philipp Sturm

Und ein Lied wird weltweit zu einem Satiresong: “Hello Dolly”.

Eigentlich wird eine Lady in dem Lied besungen. Von vielen hübschen Männern. Und sie singen so schön: “Du bist einmalig, absolut völlig einmalig, weil es dich auf der Welt nicht zweimal gibt.” Das ist faaaaaalsch! :-)

Die Dolly, welche in jenen Tagen Aufsehen erregte, war ein Schaf. Keins vom Feld. Nein! Dolly wackelte am 5. Juli 1996 für die Weltpresse direkt aus dem Labor. Und mit ihrer Geburt auf Erden ist es auch mit der EINMALIGKEIT vorbei. Denn Schaf Dolly ist geklont (aus einer ausdifferenzierten somatischen Zelle), was heißt, dass du (mit Einschränkungen) ein Abbild von dir züchten kannst.

Für uns Menschen bedeutet das, dass die Eitlen, Doofen, Karrieristen und Arschlöcher die ersten sind, die sich noch mal erfinden. Weil sie ja von sich so überzeugt sind und meinen, dass mehr von ihnen auf der Erde sein sollten.

Hurra! :-(

In jenen Tagen war ich als überzeugter Atheist versucht, eine Kirche zwecks Beten zu betreten, um meine Bitte gen Himmel zu richten, dieses Vieh schnell sterben zu lassen.

Aber, wir wissen, dass dieses Schaf ein Meilenstein in der Forschung für schwer kranke Menschen ist. Darum begrüßte auch Uta-Moni das Schaf mit: “Hello Dolly”.

Philipp sein Dolly

Philipp sein Dolly

Dolly starb am 14. Februar 2003.

PS: Der Baulöwe Dr. Jürgen Schneider wird 1996 von den USA an Deutschland ausgeliefert.

Uta Serwuschok / 28. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1995 Die Pflegeversicherung ist da und es gibt ein Kruzifix mit dem Kruzifix-Urteil

1995  wird am 1. Januar die Pflegeversicherung eingeführt. Damals dachten wir alle, wir werden maximal durchschnittlich 70 Jahre. Allerdings haben wir nicht mit der Pharmaindustrie und den Kosmetikkonzernen gerechnet. Sie schaffen es immerhin, unser Leben deutlich zu verlängern. Besser gesagt, uns kosmetisch hergerichtet im Dämmerzustand zu halten. Aber da Rentner ein sicheres Einkommen haben, sind alle Konzerne bemüht, zu deren Lebensverlängerung beizutragen.

Allerdings, um dem Ernst Rechnung zu tragen, für schwer kranke Menschen, egal welcher Generation angehörend, tritt erstmalig auch so etwas wie Anerkennung für die Pflegenden in Kraft. Eine sehr kleine Anerkennung.

Bis zum heutigen Tag jedoch ist die Arbeit pflegender Angehöriger noch nicht als eine volle berufliche Tätigkeit mit Lohn und Urlaub anerkannt.

Das Kruzifix-Urteil – ein Schock für Bayern

Das Kruzifix-Urteil – ein Schock für Bayern

1995 wird auch ein Schicksalsjahr für streng gläubige bayerische Katholiken. Das Kruzifixurteil bringt in München 20 000 Gegner auf die Straße. Es hilft nichts. Das Urteil zeigt Bayern von fortschrittlicher Seite. Sein Inhalt ist ein klares Plädoyer für das Recht auf Religionsfreiheit und untersagt das Anbringen eines Kreuzes in Bayerischen Klassenzimmern.

Zu diesem Zeitpunkt wissen die aufgebrachten Bayern noch nicht, dass Jahre später zu allem Elend ihr Land das strengste Rauchverbot in Gaststätten per Gesetz einführen wird.

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Uta Serwuschok / 28. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1995 Der “Grand Prix” aus dem Programm “Ins Hirn gebissen”

Sanftwut spielt im Hoftheater “Boccaccio” das Programm: “Ins Hirn gebissen”

Grand-Prix-Reporter Ingolf und Thomas

Grand-Prix-Reporter Ingolf und Thomas

Aus diesem Programm ist die Nummer “Grand Prix” , ein satirisches Autorennen damaliger führender Politiker. Diese Nummer wurde immer wieder aktualisiert und nur der Umstand, dass sie über viele Jahre auf der Bühne war, verhinderte, dass sie auch wieder in “Kabarett zum Brüllen - 20 Jahre Deutsche Gemeinheit” aufgenommen wurde.

Für all jene, die sie hören möchten, kramen wir sie aus dem Archiv. Eine Aufnahme aus dem Jahr 2000. Rot-Grün regiert Deutschland.

Gespielt wurde sie von Ingolf Serwuschok und Thomas Störel.

Uta Serwuschok / 22. Aug 2010

Manni News

Thomas (Manni) hat heute Geburtstag

Der Thomas, was der Manni ist, wird heute quasi älter. Aber nur auf dem Papier. Thomas ist ja, wie wir wissen, ein viel beschäftigter Mann(i) und bleibt somit ewig jung.

Einer, der mit so viel Leidenschaft Kabarett spielt, wunderbare Kompositionen schreibt und sich mit einer großen Familie fit hält, bekommt maximal ein paar graue Haare. Und die auch nur durch Moni, weil die seiner Intelligenz nicht wirklich gewachsen ist.

Aber, sie ist trotzdem unter den Gratulanten dabei.

Lieber Thomas, wir gratulieren dir von Herzen und wünschen Glück! :-) Da wären in alphabetischer Reihenfolge: unsere Lichtgestalten Dirk & Dirk, der Kartenwart Ingo,der Intendant Ingolf, die Uta-Moni sowie Büromaus Ute und Schnuppi (nicht Struppi) von der Salatbar (mit bürgerlichem Namen Jaqueline) und natürlich all deine vielen Fans.

Manche Dinge brauchen wenig Worte. Oder gar keine. Wie dieses Foto aus dem Jahre 1990.

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Anfang der Neunziger...

Uta Serwuschok / 21. Aug 2010

Briefkästen weinen nicht

1994 Der Baulöwe Dr. Jürgen Schneider geht pleite

"Baulöwe" Schneider ist pleite

"Baulöwe" Schneider ist pleite

1994 erleben wir Ossis eine spektakuläre Pleite. Der in Leipzig hochgelobte Baulöwe Dr. Jürgen Schneider ist nicht mehr zahlungsfähig und macht sich, wie der Sachse sagt, vom Acker. Plötzlich wurde einer, der als Vorbild im Nachwende-Leipzig galt, mit internationalem Haftbefehl gesucht. Die Presse fiel über ihn her und erstmalig wurde deutlich, wie Doppelmoral aussieht, wenn sie ihre dunklen Seiten zeigt.

Auf einmal rückten  ”Freunde und  Bekannte” vom Baulöwen ab. Die ihn in guten Zeiten umgarnten, waren nicht mehr vorhanden. Man zeigte sich empört und es gab ein moralisches Geschrei.

Heute wissen wir, dass diese Pleite von Jürgen Schneider, verglichen mit der internationalen Banken- und Immobilienkrise, tatsächlich eine Randerscheinung auf diesem Markt war.

In dieser Schneider-Affäre machte ein Wort die Runde, ausgesprochen vom damaligen Deutsche Bank Chef Hilmar Knopper: PEANUTS

PEANUTS wird auch das Unwort des Jahres 1994.

Knopper hatte den Überblick und wusste wovon er sprach. Wir wollten das nur nicht wahr haben. Rückblickend sei  gesagt, dass einer der Unterschiede von Schneider zu den Verantwortlichen der aktuellen Banken- und Immobilienkrise darin besteht, dass Dr. Jürgen Schneider 1996 verurteilt wurde und seine Strafe verbüßte. Heute müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die an der globalen Krise Schuldigen keineswegs verurteilt werden. Sie kommen ungeschoren davon. Häufig sogar mit Abfindungen. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Schneider.

1996 konnten wir Bürger noch an den Rechtsstaat glauben.  Doch gegenwärtig sind wir von einer glaubhaften juristischen Aufarbeitung weit entfernt. Der größte Skandal besteht darin, dass die betroffenen Bürger vieler Staaten in der Welt als Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Unter dem Motto: “Steuerzahler haften für ihre Sünder.”

Wir von Sanftwut wussten zu dieser Zeit noch nicht, dass die Mädler-Passage, welche ebenfalls von dem Schneider-Skandal betroffen war, unser neues zu Hause wird. Der Fall Schneider wird zwei Jahre später auch ein Fall für Sanftwut, denn da begannen die Verhandlungen für die Schaffung unseres kleinen Theaters in Leipzigs schönster Passage. Doch darüber reden wir, wenn wir mit der Chronik 1996 angekommen sind

Was wurde bei Sanftwut 1994 gespielt?

Sanftwut damals (Thomas Störel, Jürgen Kunz, Ingolf und Uta Serwuschok)

Sanftwut damals (Thomas Störel, Jürgen Kunz, Ingolf und Uta Serwuschok)

Die Programme “Wir sind nicht doof zu kriegen - FIRMAmente in d-moll” und “Hereinkassiert, hereinkassiert”. Für Margitta Erler ist ab 1993  Dr. Jürgen Kunz im Ensemble.

FIRMAmente in d-moll

FIRMAmente in d-moll

Und, wir haben einen Regisseur: Rainer Otto, der ehemalige Chef der Leipziger Pfeffermühle. Er wird uns nun viele Jahre künstlerisch zur Seite stehen.

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