Uta Serwuschok / 27. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2005: Wir inszenieren “Auf, auf zum fröhlichen Klagen”

Und wir tanzen uns ab jetzt die Seele aus dem Leib. Denn erstmalig beschäftigen wir eine Choreografin, Prof. Siliva Zygouris. Die Regie hatte Rainer Otto und Silvia kümmerte sich um die Koordination unserer Beine. Wir kamen erstmals bei den Proben richtig ins Schwitzen.

Seit fünf Jahren arbeiten wir nun mit Choreografien und haben uns an diese Art Unterhaltungsmittel sehr gewöhnt. Kein anderes Kabarett in der Stadt vermag diesen Stil von Musik, Tanz und klassischen Kabarettformen so umzusetzen. Diese Vielseitigkeit ist das unverwechselbare Gesicht Sanftwuts.

Manchmal, wenn wir “stehende  Nummern” haben, also solche, wo wir nicht durch die Gegend “hüppen”, fehlt regelrecht was. Der Tanz wurde in diesem und allen nachfolgenden Programmen eine wichtige ästhetische Größe und das Publikum freut sich daran. Mit Silvia haben wir eine Partnerin, die genau jenen Humor mit mitbringt, den Kabarett so dringend braucht.

Bei “Klagen” finden sich so wunderbare Arbeiten wie “Die in Berlin” oder das zum Publikumsliebling gewordene “Schleuserlied” (von uns auch nur “Russen” genannt). In diesem Programm wurden viele politische Themen mit Tanz und Rhythmus verwoben. Und so wundert es mich auch nicht, dass viele meiner Lieblingsnummern aus “Klagen” kommen. Als wir “Auf, auf zum fröhlichen Klagen” 2007 zum letzten Mal spielten, war ich ziemlich traurig. Nur um eine Nummer habe ich nicht geweint: “Der Gartenverein”.

Ich musste bei dieser Choreografie sauschwere Becken tragen und hin und wieder aneinander schlagen. Meine Ohren klappten bei jedem Schlag zu. Und ich sah, wie die vorderen Reihen des Publikums mit mir litten und in Deckung gingen, wenn ich die Becken für den Schlag in Stellung brachte. Ich erinnere mich auch noch sehr daran, dass die Proben für einen einzigen “Hüpfer” ewig dauerten. Er klappte auch während der Vorstellungen nie und ich sagte zu diesem einen einzigen Lied in den ganzen zwanzig Jahren Sanftwut gerne TSCHÜS! :-)  Schaut selbst, dann könnt ihr mich vielleicht verstehen. Film ab für  meine “Lieblingsnummer”. Sie wurde aufgenommen von Frank Keller.

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PS: Selbst die Hüte, die wir bei dem Tanz tragen, sind irgendwie nicht von dieser Welt.

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Uta Serwuschok / 26. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2005: Das Merkel wird Kanzler

Unsere Angi!

Unsere Angi!

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Uta Serwuschok / 26. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004: HUMANKAPITAL wird Unwort des Jahres

Viele von uns sind Humankapital. “Human”, weil wir auf zwei Beinen laufen und Grips und Herz und andere wichtige menschliche Eigenschaften haben. Und “Kapital”, weil wir so blöd sind und viel zu viel arbeiten. Meist auch noch für andere, für die Kapitalisten. Die sind aber mit dem schönen Wort HUMANKAPITAL nicht gemeint. Weil die zwar Kapital haben, aber mit der Humanität … Da müssen die noch was lernen.

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Uta Serwuschok / 25. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004 steht unter dem Motto: „Pantoffelhelden an die Macht“.

Kaffeesäcke auf zwei Beinen

Kaffeesäcke auf zwei Beinen

„Pantoffelhelden an die Macht“ ist ein politisch-satirisches Programm. In Deutschland macht sich Unzufriedenheit unter der Bevölkerung breit. Die Arbeitsmarktreformgesetze werfen ihre Schatten voraus und Ulla Schmidt setzt die umstrittene Gesundheitsreform durch. Soziale Kälte wird nun der Volkspartei SPD und den Grünen vorgeworfen. Hinzu kommt, dass wir einen Kanzler haben, dessen besonderes Talent in der Selbstinszenierung liegt. Seine Liebe zu den Medien ist unübersehbar und so ist die Zeit der Rot-Grünen-Koalition auch eine Art mediales Zeitalter.

Derweil bereitet sich die neue Vorsitzende der CDU, Angela Merkel, auf die Machtübernahme vor. Sie wirft in einem harten Wahlkampf die wirtschaftliche Kompetenz der CDU in die Waagschale. Die SPD verliert an Ansehen  und vermag die Mehrheit des Volkes nicht mehr hinter sich zu bringen. Die Arroganz von Schröder gegenüber seinen politischen Kontrahenten findet ihren Höhepunkt in der Wahlnacht 2005, wo Schröder in einer Talkshow Angela Merkel den Wahlerfolg streitig macht. Als könne er nicht rechnen. Er verliert endgültig sein Gesicht.

Der Hang Schröders zur Selbstdarstellung ist ein idealer Teppich, auf dem sich ab 2005 die Kanzlerin bewegen wird. Denn während Schröder den Beinamen „Schauspieler“ trägt, profiliert sich Angela Merkel als „Macherin“. Sie ist die Naturwissenschaftlerin, die nach Faktenlage entscheidet und die dem Wähler den Eindruck vermittelt, dass sie arbeitet. Das steigert ihre Beliebtheit und mir ist kein Mensch bekannt, der sich  Schröders zurück gewünscht hat.

Mann(i) unterm Pantoffel

Mann(i) unterm Pantoffel

„Pantoffelhelden an die Macht“ ist also eine besondere Form der Abrechnung mit der Rot-Grünen-Koalition.

Wenn ich das Textbuch mir heute anschaue, so ist es eine ziemlich düstere Analyse. Dennoch, die Nummern sind originell und witzig. Besonders schräg ist die Szene, in der wir Abhörwanzen spielen. Das einzige Mal, wo wir auch unter dem Flügel agieren. Wir sind ja Wanzen, die man nicht entdecken darf. Ein Lieblingstext von mir aus diesem Programm ist: „Moni im MoMA“. Ein volkstümlicher Exkurs über die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts. Das Lied „Ich mag es“ wurde in aktualisierter Fassung ins Programm „Kabarett zum Brüllen“ aufgenommen.

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Uta Serwuschok / 25. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004: Der Star der Gesundheitsreform: Ulla Schmidt

Praxisgebühr kommt!

Praxisgebühr kommt!

Seit Herr Rösler Gesundheitsminister ist und eine viel höhere Praxisgebühr fordert, überkommt mich ein Gefühl der Sehnsucht nach Ulla Schmidt. Ich hätte nie geglaubt, dass ich mir sie noch einmal zurück wünsche.

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