Uta Serwuschok / 12. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

1991 - Der Solidaritätsbeitrag und warum er kein Almosen für den Osten ist

1991 zahlten wir vereinten Deutschen erstmalig den Solidaritätsbeitrag. Er ist bis zum heutigen Tag eine Größenordnung in unseren Lohntüten.

Als er eingeführt wurde war klar, er wird jede Menge Kritiker haben. Wir wissen, wenn es um Geld geht, hört die Freundschaft auf. Insgesamt jedoch ging alles ohne größeres Murren ab. Da anteilig viel vom Solibeitrag in den Aufschwung Ost fließt, lebt der Vorwurf, die Ossis würden vom Geld der Wessis leben. Wir werden sozusagen durchgefüttert!

Diese Denkweise kommt nicht von ungefähr. Es ist ein hausgemachtes Problem, denn die damalige Regierung Kohl schwieg lange Zeit die Leistungen der DDR-Bürger tot. Die alten BRD-Politiker gefielen sich in der Rolle der großzügigen Geber.

Mir ist kein Politiker bekannt, der sich jemals öffentlich fair mit der Nachkriegsgeschichte der Deutschen auseinander gesetzt hat. Dann nämlich hätte man darüber reden müssen, welche Last die DDR (und damit deren Bürger) trug. Bis zum heutigen Tag warte ich darauf, dass einer aufsteht und klar stellt, wie hoch die Reparationen waren, welche die DDR an die damalige Sowjetunion zahlte und wie teuer den Ossis der erworbene Frieden durch die Siegermächte kam. Eine sehr kostspielige Sache für uns. Darüber sprach nach der Wende leider keiner. Psychologisch bewegte sich der Apparat um Kohl wie ein Elefant im Porzellanladen. Es dauert ewig, bis man zugab, dass sich die Menschen in der DDR ihr Geld durch harte Arbeit verdienten und dass man diese Lebensleistung zu achten habe.

Der Solidaritätsbeitrag trägt in sich das Wort Solidarität. Oft höre ich die Leute heute sagen, dass es “früher” mehr Solidarität gab, dass man sich viel mehr half. Wie wahr! Aber das können wir wieder einführen. Daran hindert uns doch keiner. :-) Und kostet keinen Cent. Solidarität wäre doch mal ein guter ostdeutscher Exportschlager. Ich jedenfalls beobachte, man rückt wieder zusammen. Und zwar Ost- und Westdeutsche gleichermaßen.

Und weil wir bei Solidarität sind: vor ein paar Wochen meldete sich aus einer kleinen Stadt irgendwo im Westen Deutschlands ein Bürgermeister und fragte höflich an, ob er für seine kaputten Straßen auch ein bisschen Geld aus dem Sack “Aufbau Ost” bekommen könnte. Denn seine Gemeinde pfeift aus den letzten Löchern. Irgendwie konnte ich dieses Ansinnen verstehen. Aber der Mann wurde sofort mundtot gemacht.

Vielleicht sollte man in Berlin 20 Jahre Einheit dazu nutzen, etwas kreativer zu denken. Denn mal ehrlich, dieser Bürgermeister empfindet 20 Jahre Einheit vermutlich als 20 Jahre Gemeinheit.

1991: Kohl verspricht blühende Landschaften

1991: Kohl verspricht blühende Landschaften

PS: Erinnert ihr euch, als wir in der DDR die Riesenlöcher in den Straßen hatten, haben manchmal aus Provokation die Leute Blumen in die Krater eingepflanzt. Mit solchen Ideen können wir die blühenden Landschaften vielleicht in Ost und West doch noch in die Tat umsetzen.

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Uta Serwuschok / 11. Aug 2010

News

Ingo hat heute Geburtstag

Hallo, lieber Ingo, wir wünschen dir alle Gesundheit, lange Gästeschlangen an der Kasse und ganz besonders viel Glück mit deiner Jaqueline.

Behalte deine Leidenschaft für den Fussball, auch wenn es im Kneipchen D eher ungünstig ist, mit dem runden Leder durch die Gegend zu ballern. :-)

Wir grüßen dich alle lieb, deine Sanftwütigen

PS: Behalte deinen trockenen Humor. Der ist sehr erfrischend.

Uta Serwuschok / 08. Aug 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

Sommer 1990 - die ersten Schritte

Es war wenige Tage vor der Währungsumstellung.

Susi, Thomas, Ingolf und ich, wir fuhren gen Ostsee, um Urlaub zu machen und in einigen FDGB-Heimen einen musikalisch-literarischen Abend zu gestalten. Der sollte nicht länger als 30 - 45 Minuten dauern. Also trugen wir vorher ein paar Lieder und Gedichte zusammen und nahmen die Dinge sehr gelassen. Wir machten uns auf den Weg.

Menschen – Möwen – Marotten

Menschen – Möwen – Marotten

Ingolf und ich, wir düsten in unserem neuen Trabant die Autobahn lang. Wir gehörten zu jenen DDR-Bürgern, die kurz vor der Wende diese “Pappe”, wie sie später scherzhaft genannt wurde, “zugeteilt” bekamen. Meistens gaben wir Ossis den Dingen, die uns lieb waren, Namen. Und so tauften wir unseren Trabbi auf den Namen “Walli”. Es war der erste Sommer in unserem Leben, wo außer “Wartburgs” und “Trabbis” noch andere Autos am ostdeutschen Straßenverkehr teilnahmen: “BMWs”, “Fords” oder Zitronen, wie wir Sachsen den “Citroen” nennen.

Nun müsst ihr wissen, dass Ingolf zu jenen Menschen gehört, die an jeder Kreuzung, selbst auf einer Dorfkreuzung, Erster sein müssen. Das liegt in den Genen. So begab es sich also, dass auf der Autobahn auch ein Porsche fuhr. Noch lag Ingolf mit Walli hinter ihm. Aber nicht mehr lange. Wenn es ein bedeutendes Wendeereignis gab, dann das, wie Ingolf mit dem fettesten Grinsen der Welt diesen Porsche überholte. Und ich sag euch, selbst bei 14 Tage Regenwetter wäre dieses Grinsen nicht von seinem Gesicht gewichen. Aber wir hatten einen Traumsommer.

Auch der Tag der Währungsunion war sonnig. Doch schon 24 Stunden später trübten sich die Gesichter der Urlauber und unsere natürlich mit. Denn schlagartig wurde alles teuer. Eine Bowu (Bockwurst) kam jetzt nicht mehr 0,85 Mark der DDR, sondern kostete weit über eine D-Mark. Ein Drama, denn die D-Mark war ja für uns bisher etwas Besonderes. Nun wurde sie das Währungsmittel, mit dem wir teure Brötchen, Mieten usw. bezahlen mussten. Ganz schnell bekamen wir eine Ahnung davon, was Marktwirtschaft heißt. Eine ganz angesagte Kneipe, die vor Mitternacht des 1. Juli 1990 noch voll besetzt war, war plötzlich an Abenden leer. Es hätte auch unsere Auftritte mit leeren Sälen erwischt, wäre unsere Freundin Elke Höhnemann, die das alles organisierte, nicht so clever gewesen, diese Auftritte mit im Paket für die Buchungen zu verkaufen.

Aber erst mussten wir noch eine Kröte schlucken. Denn Elke hatte uns auf allen Plakaten als Kabarett angekündigt, weil wir ja ursprünglich vom Amateurkabarett “Die Spitzhacken” kamen. Also kramten wir in unseren Köpfen nach möglichen Kabaretttexten und schrieben sogar einige neu. Es wurde Arbeit. Aber sie lohnte sich.

Wir hatten schöne Abende und die allererste Spielstätte sei genannt: es war das damalige FDGB-Ferienheim “Edgar André” in Heringsdorf. Dort fand die erste Vorstellung mit dem Gründerensemble Susan und Thomas Störel, Uta und Ingolf Serwuschok statt.

Das Gründerensemble von 1990 heute:Susi, Thomas, Uta und Ingolf

Das Gründerensemble von 1990 heute: Susi, Thomas, Uta und Ingolf

Doch dieser Sommer unserer Gründung hatte noch ein anderes großes Ereignis im Gepäck. Susi und Thomas fuhren nicht allein nach Heringsdorf. Sie hatten ihre kleine Tochter Henriette mit. Ihr müsst wissen, Henriette war ein besonders süßes Baby. Als sie noch ganz winzig war und von ihren Eltern in einer Babytasche zu einer Party mitgebracht wurde, staunten alle über das kleine Wesen und einer in der Runde sagte: “Die ist aus dem Shop (Intershop)!”

Henriette war also mit dabei und beschäftigte uns auf wunderbare Weise. Sie krabbelte durch ihre kleine Welt und hatte immer Neues zu entdecken. Dann aber kam innerhalb des Urlaubs ein sehr bedeutender Moment: Thomas spielte mit Henriette auf einer Wiese der Heringsdorfer Strandpromenade. Ich kam dazu und plötzlich steht Henriette auf und macht die ersten Schritte ihres Lebens. Bis zum heutigen Tag sehe ich sie mit ihren wackligen Beinen auf mich zukommen. Und ebenso wenig vergesse ich das strahlende Gesicht ihres Vaters. Und so ist der Sommer 1990 nicht nur ein Sommer, von dem wir sagen: Wir haben uns da gegründet.

Treffender ist zu sagen: 1990 ist das Jahr, in dem wir Sanftwütigen und ein kleines Mädchen, Namens Henriette, laufen lernten.

Und weil es so schön war, entstand zu jener Sommerzeit die zweite Tochter: Margarete. Sie erblickte dann im Frühjahr 1991 die Welt.

Seeluft macht eben Appetit auf MEER ! :-)

PS: Die Moni sagt zum Jahr 1990: Eigentlich hätte Westdeutschland von der Erdkugel wegkippen müssen. Denn alle Ostdeutschen waren ja dort versammelt, um zu gucken, wie das im Westen aussieht. Also, bei einer Waage, wäre der Westteil nach unten geklatscht und die restlichen Ossi, die geblieben waren (Rentner, Behinderte, Kabarettisten) hätten in der Luft gehangen. Aber der Manni sagt, weil die Erde uns liebt, würde sie uns mit ihrer Anziehungskraft festhalten. :-)

Uta Serwuschok / 06. Aug 2010

Kabarett zum Brüllen News

SANFTWUT ist im 20. Jahr seiner Gründung

Für dieses Jubiläum proben wir zur Zeit mit viel Spaß unser Programm “Kabarett zum Brüllen - 20 Jahre Deutsche Gemeinheit”. Und weil wir so viele Fans haben, gibt es zwei Premieren: Am 1. und 5. September.

Damit es unseren Bloglesern bis dahin aber nicht zu langweilig wird, nutzen wir den Blog im Monat August dazu, einige unserer Erinnerungen aufzuschreiben. Also, folgt uns gedanklich in die Jahre 1990 - 2010.

Und wer möchte, der schreibt mit. Als Kommentar eignen sich eure Erlebnisse. So wäre es zum Beispiel sehr schön, einfach aufzuschreiben, was ihr am Tag der Währungsunion gemacht habt. Oder am Tag der Einheit.

Also, am Wochenende kommt unsere erste Sanftwut-Geschichte über unsere Gründung im Ostseebad Heringsdorf. :-)

Wir freuen uns auf euch und viele schöne oder auch kritische Geschichten. Und diese gibt es genug. Erinnert ihr euch, wer unseren Einigungsvertrag unterschrieben hat? Man nennt sie auch poetisch die “Architekten des Einigungsvertrages”. Zwei Männer mit extrem unterschiedlichen Biografien: Dr. Wolfgang Schäuble (BRD) und Günther Krause (DDR). Der eine ist heute unser Finanzminister. Der andere, … Da war doch was.

Wir sind gespannt.

Eure SanftWütigen

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Uta Serwuschok / 06. Aug 2010

News

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag für Jaqueline

Unsere Jaqueline (Foto: serwu)

Unsere Jaqueline (Foto: serwu)

Liebe Jaqueline,

du hast das Pech, immer im Sommer Geburtstag zu feiern. Eigentlich beneide ich alle, die in den warmen Monaten feiern können. Man kann dann im Garten eine große Tafel für die Gäste mit vielen Leckereien aufbauen. Aber der Nachteil ist, dass der Blog um diese Jahreszeit schläft, weil Uta-Moni im Urlaub ist. Darum also nachträglich alle guten Wünsche vom Team und ganz besonders viel persönliches Glück für dich und deinen Ingo. Bleib schön gesund und uns erhalten!

Deine SanftWütigen

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