Uta Serwuschok / 26. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004: HUMANKAPITAL wird Unwort des Jahres

Viele von uns sind Humankapital. “Human”, weil wir auf zwei Beinen laufen und Grips und Herz und andere wichtige menschliche Eigenschaften haben. Und “Kapital”, weil wir so blöd sind und viel zu viel arbeiten. Meist auch noch für andere, für die Kapitalisten. Die sind aber mit dem schönen Wort HUMANKAPITAL nicht gemeint. Weil die zwar Kapital haben, aber mit der Humanität … Da müssen die noch was lernen.

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Uta Serwuschok / 25. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004 steht unter dem Motto: „Pantoffelhelden an die Macht“.

Kaffeesäcke auf zwei Beinen

Kaffeesäcke auf zwei Beinen

„Pantoffelhelden an die Macht“ ist ein politisch-satirisches Programm. In Deutschland macht sich Unzufriedenheit unter der Bevölkerung breit. Die Arbeitsmarktreformgesetze werfen ihre Schatten voraus und Ulla Schmidt setzt die umstrittene Gesundheitsreform durch. Soziale Kälte wird nun der Volkspartei SPD und den Grünen vorgeworfen. Hinzu kommt, dass wir einen Kanzler haben, dessen besonderes Talent in der Selbstinszenierung liegt. Seine Liebe zu den Medien ist unübersehbar und so ist die Zeit der Rot-Grünen-Koalition auch eine Art mediales Zeitalter.

Derweil bereitet sich die neue Vorsitzende der CDU, Angela Merkel, auf die Machtübernahme vor. Sie wirft in einem harten Wahlkampf die wirtschaftliche Kompetenz der CDU in die Waagschale. Die SPD verliert an Ansehen  und vermag die Mehrheit des Volkes nicht mehr hinter sich zu bringen. Die Arroganz von Schröder gegenüber seinen politischen Kontrahenten findet ihren Höhepunkt in der Wahlnacht 2005, wo Schröder in einer Talkshow Angela Merkel den Wahlerfolg streitig macht. Als könne er nicht rechnen. Er verliert endgültig sein Gesicht.

Der Hang Schröders zur Selbstdarstellung ist ein idealer Teppich, auf dem sich ab 2005 die Kanzlerin bewegen wird. Denn während Schröder den Beinamen „Schauspieler“ trägt, profiliert sich Angela Merkel als „Macherin“. Sie ist die Naturwissenschaftlerin, die nach Faktenlage entscheidet und die dem Wähler den Eindruck vermittelt, dass sie arbeitet. Das steigert ihre Beliebtheit und mir ist kein Mensch bekannt, der sich  Schröders zurück gewünscht hat.

Mann(i) unterm Pantoffel

Mann(i) unterm Pantoffel

„Pantoffelhelden an die Macht“ ist also eine besondere Form der Abrechnung mit der Rot-Grünen-Koalition.

Wenn ich das Textbuch mir heute anschaue, so ist es eine ziemlich düstere Analyse. Dennoch, die Nummern sind originell und witzig. Besonders schräg ist die Szene, in der wir Abhörwanzen spielen. Das einzige Mal, wo wir auch unter dem Flügel agieren. Wir sind ja Wanzen, die man nicht entdecken darf. Ein Lieblingstext von mir aus diesem Programm ist: „Moni im MoMA“. Ein volkstümlicher Exkurs über die moderne Malerei des 20. Jahrhunderts. Das Lied „Ich mag es“ wurde in aktualisierter Fassung ins Programm „Kabarett zum Brüllen“ aufgenommen.

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Uta Serwuschok / 25. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2004: Der Star der Gesundheitsreform: Ulla Schmidt

Praxisgebühr kommt!

Praxisgebühr kommt!

Seit Herr Rösler Gesundheitsminister ist und eine viel höhere Praxisgebühr fordert, überkommt mich ein Gefühl der Sehnsucht nach Ulla Schmidt. Ich hätte nie geglaubt, dass ich mir sie noch einmal zurück wünsche.

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Uta Serwuschok / 23. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2003: Manni was born – mit dem Programm „Und ewig bockt das Weib“

Wir stellten für den Frauentag 2003 ein Programm mit alten und neuen Texten zusammen. Daraus entstand das Erfolgsprogramm „Und ewig bockt das Weib“. Und mit diesem Programm betrat erstmalig Manni die Bühne. Wie kamen wir auf diese Figur? Es war, wie so oft im Leben, ein Zufall.

Wir (Thomas und ich) standen also eines Tages in der Künstlergarderobe und durchwühlten die Requisiten nach Brauchbarem für das Programm „Und ewig bockt das Weib“. Die Hose in Pink wurde gefunden, Thomas zog sie an und aus Gaudi bis hoch an die Ohren. Das war sie, die Geste, die Kult wurde. Hinzu kamen noch am gleichen Tag Frisur und der unverwechselbare Lippenbart. Das alles ergab eine Mischung von strengem aber äußerst lustig aussehenden Mannsbild. Ein Macho, der durch sein Auftreten große Sympathien in den folgenden Jahren erleben wird. Aber noch hatte Manni keinen Text. In „Ewig bockt das Weib“ kommt er „nur“ auf die Bühne und singt mit Moni die „Beautyfarm“.

Wahrhafte Komiker brauchen nur einen Moment, um sich die Herzen des Publikums zu erobern. Sie stellen sich innerhalb von Sekunden in den Ring und verlieren oder gewinnen.
Manni hat gewonnen. Er ist mit den Jahren regelrecht gewachsen. Und die Hosen wachsen mit. Inzwischen in ganz vielen Farben. Denn im Laufe der Zeit wurde Manni vom Publikum mit diesen speziellen Jogginghosen reich beschenkt. So liegen jetzt im Regal der Künstlergarderobe türkisfarbene, graue, weiße und bunte Exemplare. Diese Großzügigkeit des Publikums hat mit der Beliebtheit der Figur zu tun und ihrer volkstümlichen Ausstrahlung.
Ab 2003 gibt es also bei Sanftwut das Bühnenpaar MONI und MANNI.

Manni (Foto: Frank Keller)

Manni (Foto: Thomas Störel)

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Uta Serwuschok / 21. Nov 2010

Erinnerungen Kabarett zum Brüllen

2003: Das Erfolgsprogramm “Super-Hammer-Haileids” hat Premiere.

Dabei ist es nicht garantiert, dass man mit einem Reprisen-Programm auch einen Publikumserfolg landet. Ich erinnere mich noch genau, dass wir nach der Uraufführung, die immer eine Art erster wichtiger Test ist, mit hängenden Ohren an der Niere (Künstlerbank in der Garderobe) saßen und diskutierten. Irgendwie vermissten wir die Stimmung im Publikum, von der wir meinten, dass diese durch die Anhäufung erfolgreicher Nummern gewährleistet sei. Es kamen Zweifel auf.

Diskussion mit unserm Kaiser Otto

Diskussion mit unserm Kaiser Otto

Rainer Otto, unser Regisseur, war sehr skeptisch. Würden die Texte aktuell genug sein? Stimmt die Zusammenstellung?  Springt der Funke zur Premiere über?

Er sprang. So sehr, dass dieses Programm drei Jahre gespielt wurde. Wir mussten mehrfach Aktualisierungen vornehmen, weil uns zum Beispiel das Thema Olympia-Bewerbung der Stadt Leipzig schleichend abhanden kam.

Dieser Rummel um die Olympiade fand in in einem Medley von Opernklassikern ein fulminantes Finale. Wir waren zu erleben als Frau Tiefensee, Luciano Pavarotti und José Carreras. Und wir sangen sehr witzige Arien. Wie zum Beispiel “Ave Malaria” nach dem Heiligtum “Ave Maria”. Wir hoben die “ernste Musik” vom Thron und waren frech ohne Ende.

Operndiva dreifach

Operndiva dreifach

Erst verlor Leipzig die Olympiabewerbung, dann starb Pavarotti und Wolfgang Tiefensee verflüchtigte sich nach Berlin, um dort Politik zu machen. Es gab nie wieder die Möglichkeit, diese Traumnummer noch einmal aufzunehmen. So können wir nur alte Fotos betrachten und uns daran erinnern, wie wir in farbenprächtigen Kostümen eines der schönsten Finale spielten.

Die “Super-Hammer-Haileids” orientierten sich dramaturgisch an der Frage: Welche Nummern mochte das Publikum? Was haben wir als Kabarett gern gespielt? Da wäre zum Beispiel die Bauarbeiterszene “Offn Dache”.

Das legendäre "Wo denne? Isch sääh denn nisch!"

Das legendäre "Wo denne? Isch sääh denn nisch!"

Die Auswahl für das Jubiläumsprogramm “Kabarett zum Brüllen – 20 Jahre Deutsche Gemeinheit” erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Analyse von Ensemble- und Gesellschaftsgeschichte. Wir haben viel recherchiert und nicht nur auf die Erfolgsnummern vertraut. Und wir erprobten neue Formen, die jung und kreativ daherkamen. Sie waren ein Experiment, doch der Erfolg gab uns Recht.

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