Uta Serwuschok / 01. Nov 2010
Erinnerungen Kabarett zum Brüllen
1999: “Die Eulenspiegeleier” und der Versuch ein zweites Ensemble zu installieren
1999 ist auch das Jahr, wo wir Sanftwütigen versuchen, eine zweite Ensembleproduktion auf die Beine zu stellen. Wir tun dies ja seit vielen Jahren. Nur heute sichern wir als Stammensemble diese Produktionen.
Ingolf spielte die “Eulenspiegeleier” gemeinsam mit Kabarettisten, welche im “wahren Leben” Lehrer, HNO-Ärztin und Sprachwissenschaftler sind. Eine inhaltliche Bereicherung für alle Beteiligten.
Die Besetzung bildeten: Ulla Müller, Ingolf Serwuschok, Jens-Uwe Jopp und Dr. Matthias Schwarzmüller.

Ingolf mit Jens-Uwe Jopp, Ulla Müller, Matthias Schwarzmüller. Vorn: "Der kleine Maulwurf", das Maskottchen der Inszenierung.
Das Programm spielte in einem Ärztehaus und es wurden fast nur Texte von Eulenspiegel-Autoren gespielt. Wir bekamen von ihnen die Genehmigung für die Aufführung und legten eine witzige und sehr sympathische Inszenierung hin.
Ich (Uta Serwuschok) war für die Regie verantwortlich. Und um es vorweg zu nehmen. Auch wenn die Arbeit gelang: Leute von A nach B zu scheuchen und ihnen vorzuschlagen, wie Figuren anzulegen sind, das ist nicht wirklich mein Ding. Es ist sehr anstrengend, besonders, wenn man ein Typ wie ich ist, der ständig zweifelt. Bei der Premiere war ich so aufgeregt, dass ich mich nicht einmal in den Saal getraut habe. Ich habe in der Kneipe auf der Techniktreppe gesessen und hörte wie die Leute im Saal lachten. Oft lachten. Da war ich froh.
Ich habe nur noch einmal Regie geführt. Da schon nicht mehr allein und ich konnte bisher verhindern, dass sich wer an die Fähigkeit von mir erinnert. Man muss nicht alles machen.
Aber wie gesagt, die Inszenierung konnte sich sehen lassen. Wir alle haben menschlich bestens harmoniert und ganz besonders an die dramaturgische Erarbeitung des Textbuches gemeinsam mit Matthias Schwarzmüller denke ich gerne zurück. Er hat uns schon als Autor des “Mirko” viel Freude bereitet. In dieser Zeit aber lernte ich seine Vorliebe für Wortwitz und schräge Geschichten schätzen.
Danke dir, lieber Matsel, wir kommen noch einmal auf unsere gemeinsamen Projekte zurück.
Die “Eulenspiegeleier” konnten sich also sehen lassen. Dennoch mussten wir uns in den darauf folgenden zwei Jahren eingestehen, dass Produktionen außerhalb des Stammensembles schwierig sind. Sie haben im Spielplan nicht wirklich die Möglichkeit voll eingesetzt zu werden, denn Sanftwut hat die Priorität. Und für die Gastspieler hatte die berufliche Arbeit Vorrang.
So starb mit der Zeit die Idee für den Aufbau eines zweiten Ensembles. Und somit schränkte sich für uns als Sanftwut die Gastspieltätigkeit außerhalb Leipzigs deutlich ein. In erster Linie toben wir in unserem Theater über die Bühne. So schön wie das ist, so nachteilig ist es auch,wenn es darum geht, sich einen Namen im deutschsprachigen Raum zu machen. Immer noch ist unsere Gastspieltätigkeit sehr überschaubar.
Also, haben wir im Theater angedockt. Die Leipziger und all die Gäste, welche als Geschäftsleute und Touristen aus ganz Deutschland zu uns kommen, danken es uns und empfehlen uns weiter.
Wir können schon sagen: die Welt kommt zu uns. Weil man eben über uns spricht. Das haben wir jetzt so eingerichtet. Außerdem stehen wir viel weniger im Stau als andere Ensemble, die durch die Gegend kurven müssen.
“Eulenspiegeleier” das ist eine schöne Erinnerung und auch der Beweis, dass satirisch-humoristische Prosa auf der Kabarettbühne bestehen kann.
So ganz nebenbei war es auch eine Würdigung unserer beliebten Eulenspiegel-Autoren, die ich als junger Mensch in der DDR sehr bewundert habe.




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