Uta Serwuschok / 30. Sep 2010
Frau Kaisers bunte Truppe – unser Leben in der Mädler-Passage

Marlies Kaiser von der Mädler-Passage Leipzig, Grundstück GmbH & Co. KG.
Auf ihrer Visitenkarte steht: Marlies Kaiser, Prokuristin, Mädler-Passage Leipzig, Grundstück GmbH & Co. KG.
Wenn wir über das Theater und den Bau sprechen, dann müssen wir auch jene Frau nennen, unter deren Leitung die Passage liebevoll verwaltet wird.
Bei uns im Theater gibt es einen geflügelten Spruch: „Wenn das Frau Kaiser sieht!“ Damit wird immer respektvoll angemahnt, wenn etwas mit unserem Erscheinungsbild nicht so ganz stimmt. Zum Beispiel hängen wir leidenschaftlich gerne geschenkte Plüschtiere (wir haben davon ganz viele) an unser Bürofenster. Der Nachteil ist nur, dass man von der Passage unsere Kindergartengestaltung gut sehen kann. Wenn da so ein Plüschmaulwurf aus dem denkmalgeschützten Fenster guckt, dann ist das schon gewöhnungsbedürftig.
Auch sonst ist manches anders, als bei den übrigen Mietern. Die hohen Fenster geben, das komplette Leben unseres Theaters preis. Es zeigt den Schlummerzustand am Tag ebenso, wie die quirlige Atmosphäre, wenn Gäste das Kneipchen und den Zuschauerraum bevölkern. Die Scheinwerfer, die Bühne und die kunstvolle Gestaltung des Kneipchens haben etwas Fantasievolles an sich. Alles wirkt so, als lebt da oben in der ersten Etage eine bunte Truppe.
Frau Kaiser, die Chefin, (so nennen wir sie) hat unseren individuellen Stil vom ersten Tag an unterstützt. Sie redet uns nicht rein. Doch wenn nötig, dann verschafft sie sich mit ihrer ruhigen, in wichtigen Dingen, konsequenten Art, Respekt..
Sie war es auch, die unserer Arbeit vertraute, als es um den Mietvertrag ging. Sie war und ist unsere Fürsprecherin.
Eigentlich könnte man meinen, das ist ein ziemlich unaufgeregter Job. Ich denke, dem ist nicht so. Denn diese Passage hat zwei Leben. Eins, dass die Besucher sehen, wenn sie staunend flanieren. Und jenes, welches sich hinter den Kulissen abspielt.
Ein solches Unternehmen, wie die Mädler-Passage zu leiten, braucht ökonomischen Sinn ebenso, wie Menschenkenntnis. Ich denke letztere ist besonders wichtig. Das Spektrum an menschlichen Begegnungen an einem Tag ist sehr vielseitig. Das geht von Verhandlungen mit dem Bankvorstand bis hin zu Absprachen mit dem Hausmeister.
Und dazwischen kommen die Mieter mit ihren Anliegen.
Das Geheimnis des Geschäftslebens in der Passage liegt wohl darin, dass es die Mädler KG versteht, auf die individuellen Besonderheiten der Mieter einzugehen. Alles ist ausgerichtet auf ein Miteinander.
Wenn ich durch die Passage gehe, habe ich immer wieder meine Freude daran, den Besitzern der Läden zuzuwinken oder einen Schwatz zu beginnen. Man kennt sich eben und erkundigt sich, wie es dem anderen geht. Das alles hat etwas angenehm Menschliches. Auch wenn dies alles nur flüchtig ist, so ist es für unser gemeinsames Auskommen wichtig. Wir alle haben unsere ganz eigenen Interessen und Frau Kaiser hilft, diese unter einen Hut zu bringen.
Die erste Zeit gab es immer mal ein Problem mit dem Lärm, der bei speziellen Events anderer Vermieter unsere Vorstellungen störte. Zum Beispiel erinnere ich mich, dass vor vielen Jahren eine Opernsängerin sehr laut freitags und samstags vor dem Auerbachs Keller sang. Mit Vorliebe interpretierte sie Beatles-Songs, die in ihrer Opernfassung sehr spröde und manchmal ungewollt komisch daher kamen. Obendrein lief diese Sängerin trällernd den Touristen fast bis in die Messhofpassage hinterher. Und dann tönte es auf der Bühne in unsere Nummern hinein: „Yesterday“.
Dem anfänglichen Frust folgten Verhandlungen, die Frau Kaiser für uns vermittelte und alles ist heute bestens organisiert, obwohl die Sängerin schon längst nicht mehr engagiert ist. Was wirklich nicht an uns liegt.
Wir haben mit den Jahren eine gemeinsame Sprache gefunden. Wir wissen, dass Absprachen bei Frau Kaiser etwas Wert sind. Das schafft Vertrauen und Gelassenheit.
Als ich vor ein paar Tagen zu Frau Kaiser ins Büro ging, um möglichen Lärm während des Passagenfestes von uns abzuwenden, war dies ein unaufgeregter Vorgang. Ich wusste, es wird am Abend funktionieren. Man kann sich aufeinander verlassen.
Als ich das Büro verließ und in der Passage stand, hörte ich laute Musik. Sie kam eindeutig aus unserem Theater. Unser Techniker hatte sich seine Lieblingsmusik eingestellt. Was ja nicht schlimm ist. Aber die Lautstärke! Und wie ein pawlowscher Reflex sagte eine Stimme in mir: „Wenn das Frau Kaiser hört.“ Und ich musste grinsen.
So sehr haben wir uns schon aufeinander eingespielt.
Wir alle, die wir Handel, Wandel und Kunst betreiben in der schönsten Passage Leipzigs.






Es spricht sich so langsam rum: Moni und Manni feiern im Herbst Silberhochzeit! Seit Oktober 1985 bevölkern Uta Serwuschok und Thomas Störel gemeinsam die Bühne. Zuerst im Studentenkabarett “Spitzhacken und von 1990 an als “SanftWut”.


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