Uta Serwuschok / 17. Jun 2009

Mein Leipzig

Du sollst nicht stehlen

Wer in der Innenstadt arbeitet, bekommt eine Menge vom Geschäftsleben mit. Durch die vielen Warenhäuser erlebt man immer wieder, wie Leute, die geklaut haben, diskret in die Büroräume geführt werden. Selten spielt sich das laut ab. Man bekommt nur mit der Zeit einen Blick dafür. Gestern ging ich auf der Petersstraße bei H&M vorbei. Vor dem Geschäft stand eine Frau umgeben von zwei Polizisten und versuchte auf ihrem Handy jemanden zu erreichen. Sie hatte ein Pfannkuchengesicht und kam nicht wirklich sympathisch rüber. Normalerweise hätte man gedacht: Pech gehabt Mädchen und wäre weitergelaufen. Aber die Frau hatte ein Kind dabei. Vielleicht etwas über ein Jahr. Ein kleiner süßer Fratz, der plappernder Weise in seinem Kinderwagen saß und sich aufgeregt bei den vielen Passanten der Petersstraße bemerkbar machte. Er hatte ein lustiges Gesicht. Das war so ein Kind, was man einfach nur knuddeln möchte. Und ich bekam Wut auf das Pfannkuchengesicht von Mutter, die für das kleine fröhliche Wesen so einen Start ins Leben hinlegt. Ich drehte mich noch mehrfach um und hörte mich innerlich sagen: du sollst nicht stehlen, du blöde Kuh.


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Uta Serwuschok / 09. Jun 2009

Mein Leipzig Moni

Warum Moni Depeche Mode nie vergisst

Also, die Moni, was eigentlich ich, die Uta Serwuschok bin, war Montag Nachmittag in der Stadt, um Wege zu erledigen. So nennen Frauen einen Einkaufsbummel. Ich bin ganz viel gelaufen, weil die Sonne plötzlich wie wild schien und war schon ziemlich pflastermüde, als ich mich gen Straßenbahn bewegte. Nun müsst ihr wissen, die Moni wirft sich meist in die 12 am Brühl und ist in ein paar Minuten daheeme in Gohlis. Aber am Depeche- Mode-Tag, der im Zentralstadion stattfand, war auch bei Moni einiges anders.

Ich traf nämlich eine Entscheidung mit Folgen. In meinem Plastikbeutel bammelten meine Auftrittsschuhe, die Riesenlöcher an der Sohle hatten. Das liegt daran, dass die Moni für das Publikum so viel tanzt. Ich musste also ins Walstraßenviertel zum Schuster und so fuhr ich eine Station mit einer Stundenkarte los. Zuerst eine Station. Schuhe wurden abgegeben und bei meinem Lieblingsfleischer Gallwitz holte ich noch leckere Wurst. Dann ging ich zur Haltestelle Waldstraßenviertel, um mit der 4 gen Heimat zu fahren. Die 4 kam och ganz schnell und ich wunderte mich über das Stadionzeichen am Fahrerhäuschen. Rein in die Bahn, gemütlich machen …

So standen mir die Haare zu Berge, weil ich einen guten Reiseinstinkt hatte.

So standen mir die Haare zu Berge, weil ich einen guten Reiseinstinkt hatte.

Hilfe, die fuhr nur wenige Meter, bog links ein und ich stand plötzlich vor der Arena. Dass ein Konzert war, leuchtete nun auch Moni ein und da Fans die entsprechenden T-Shirts trugen, wurde mir klar, Depeche Mode. Denke ich, fährst zurück zur Blechbüchse und hüpfst in die 12. Ich also zur Haltestelle Arena /Jahn-Allee  und springe, fröhlich, dass alles so schnell klappt, in die Linie 2. Die zeigte die Naundorfer Straße an und ich Dummdei denke, die fährt über die Jahn-Allee. Ha, die Bahn blinkte rechts, Moni konnte nicht mehr raus und landete wieder in der Stadt. Leeeuuuschner Platz, da kam ich grade her. 

Und ich hatte Hunger. Seit morgens nichts mehr gegessen, ein Glück, dass mein Freund Mathias mir am Nachmittag in seiner Tischlerei noch einen Milchkaffee gekocht hat. Sonst hätte ich vielleicht als Gerippe vor dem Neuen Rathaus gelegen und die hätten gedacht, das ist ein Wähler im Hungerstreik wegen dem Wahlergebnis. Dann entschied ich, ich nehme jetzt die 11. Normalerweise steige ich am Bahnhof immer um, in die 12. Aber nun bekam ich es mit der Angst zu tun und blieb stoisch in der 11 sitzen. Am Bahnhof amüsierte mich eine Ansage der LVB. In sächsisch freundlicher Art sagte da eine Stimme: „Und mir wünschen allen Gästen viel Spaß.“ Ich hatte den schon. Und irgendwie fühlte ich mich ganz als Moni. Uta und Moni sind eben eins.

PS: Es gab noch einen Gewinner bei meiner Reise. Als ich an den Gohlisarkaden ausstieg, schaute ich noch bei meinem vietnamesischen Gemüsehändler vorbei. Der machte mit mir guten Umsatz. Und alles mit einer Stundenkarte der LVB. Voll ausgenutzt.


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