Uta Serwuschok / 13. Dez 2009
3. Advent
Jedes Jahr zum 3. Advent geht die Moni zu Tante Liesbeth. Wir nennen sie nur alle Lilli, weil sie eigentlich sehr nett ist. Ihr Stollen schmeckt ganz lecker und jeder weiß, dass sie alles mit Herzen zubereitet, damit es ihren Lieben gut geht. Trotzdem gehen Manni und Isabelle schon lange nicht mehr mit zu Lillis Adventskaffee . Weil, die Tante Lilli lebt mit Mann und Sohn unter einem Dach. Und die streiten sich immer. Und jedes Jahr zum 3. Advent droht Tante Lilli ihnen: “Wenn ich mal tot bin, dann werdet ihr an meinem Grab weinen und sagen: ach hätten wir uns nicht so viel gestritten. Am Heiligen Abend mache ich es wahr und bringe mich um.” Nun ist das so eine Sache, wenn man etwas seit Jahren ankündigt und man macht es nicht. Da verliert man sein Gesicht. Und außerdem ist das mit dem Streiten so: das gehört zu uns Menschen. Streit ist wie Mondamin für die Soßen. Man braucht das als Bindemittel. Allerdings, wenn man nicht aufpasst, wird es eine ungenießbare Pampe. Man muss vorsichtig damit umgehen. Gut dosieren. Moni findet das schade mit der Tante Lilli. Aber Manni und Isabelle die sagen nur, die Lilli bringt sich nie um, weil die hat schon zittrige Hände und wenn die anfängt sich aufzuschlitzen, dann wird das nur ne Tätowierung. Noch dazu eine ganz schlechte.
Wenn Sie jetzt denken, das man solche Dinge nicht am 3. Advent erzählt, dann sage ich nur, warten Sie den 4. Advent ab. Da wird es noch lustiger. So, und jetzt geht die Moni zu Tante Lilli. Denn die Moni hat einen Hang zum Perversen und hört sich mit Leidenschaft jedes Jahr die gleiche Leier an. Vielleicht, weil Sie Tante Lilli und ihre zwei Vögel einfach nur mag.
keine Kommentare / Kommentar schreiben

