Uta Serwuschok / 04. Nov 2009

Moni

Gedicht des Tages

Abschied und Wiederkehr

 

Als ich vor ein paar Tagen deine Wohnung verließ, 

drehte ich mich noch einmal um und schaute hoch zu deinem Fenster.

Ich wollte dir noch einmal winken. Aber du warst nicht zu sehen.

Dann wurde mir bewusst, dass du mein Abschiedsritual nicht kennst.

Ich vergaß dir zu sagen, dass jedes Abschiednehmen,

und sei es nur für Stunden, bei mir so ist, als würden jene,

die mich verlassen, auf eine Weltreise gehen.

Man sieht sich noch mal in die Augen, und nimmt sich in die Arme.

Darum also schaue, herze und winke ich, so lange es geht,

meinen Freunden hinterher. 

Denn nicht auf jeden Abschied folgt eine Wiederkehr.

 

Geschrieben 2003 und heute veröffentlicht für meine Schwester Angelika, die einem Krebsleiden erlag.

Als politisch denkender Mensch interessierte mich eine Nachricht, die vor zwei Tagen durch die Medien ging: Ein neues Therapiezentrum mit einer sensationellen medizinischen Anlage macht von sich Reden. Diese neue Methode zur Krebsbekämpfung soll zielgenau und wirkungsvoll an den Tumor gehen können, ohne die gesunden Organe zu beschädigen. Ich glaube, dass diese Erfindung schon viele Jahre auf dem Markt sein könnte, würden sich die Mächtigen dieser Erde darauf einigen können, die komplette Kriegsmaschinerie einzustampfen. Wir könnten so das Geld für eine friedliche Forschung weltweit nutzen. Ich weiß, es ist ein ziemlich naiver Traum. Aber solche Erfindungen, wie dieses neue Krebszentrum zeigen mir, wie groß unsere Chancen wären, würden wir einige Idioten weltweit nicht mehr an die Macht lassen.

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Uta Serwuschok / 27. Okt 2009

Manni Moni

Moni, Manni und Isabelle wollen wegen der neuen Regierung auswandern

Ja, der Manni hat befohlen, dass mir auf der Weltkarte eine Insel suchen. Ein Schnäppchen. Eine Insel, die wir bezahlen können. Denn seit gestern haben wir ganz große Angst. Unsere Kanzlerin, was die Angie ist, hat gesagt, sie setzt auf Wachstum, kann aber keine Garantie dafür geben, dass es klappt. Hilfe!!!!!!!! Und ganz schlimm ist, dass der Manni fast unserer kleinen Isabelle eine geklatscht hätte. Die ham sich in die Haare gekriegt.  Weil, die Isabelle hat gesagt, mir hätten mit der neuen Regierung zum ersten Mal einen Minister für Rentner. Der Manni: “Es gibt keinen Rentnerminister” und die Isabelle hat egal geblägt:” Doch.” “Und wer soll denn das sein?” hat der Manni drohend gefragt. Und die Isabelle: “Na, der alte Mann, der so heißt wie das, was ich nie von euch bekommen habe. Ein Brüderle.” Manni in Rage: “Der Herr Brüderle macht Wirtschaft”. Und darauf wieder die freche Isabelle: “Na, das kann ne schöne Wirtschaft werden. Papa, da muss ein junger Mann her. Ein Prinz, der aus dem Internet steigt. Der sich mit den wehwehwehs auskennt. So ein ganz moderner Mensch, wie der flotte Herr Guttenberg.” Und dann fängt die an zu heulen und sagt: “Der muss bald sterben. Wenn der als Verteidigungsminister nach Afghanistan fährt wird der doch umgebracht.” Ich habe sie dann beruhigt und getröstet, dass den keiner als Verteidigungsminister für voll nimmt und außer Gefahr ist. Und der Manni hat gesagt: “Isabelle, dass der Herr Brüderle jetzt Wirtschaft macht, das ist gewollt. Auf dem Posten überlebt jetzt jeder nur ein Jahr. Und wegen der sozialen Verträglichkeit müssen das Rentner sein. Denn die haben ihren Lohn sicher. Und der Herr Brüderle macht den Anfang. Dann holen wir den Blüm zurück, dann den Späth. Und wenn der abgewirtschaftet hat, dann holen wir, wenn er noch lebt, den Dicken aus Oggersheim. So schaffen wir es bis zur nächsten Wahl. Und wenn die Linken dann in der Regierung sind wird Peter Sodann Wirtschaftsminister. Hauptsache, es sitzt auf dem Posten eine Figur. Den Rest erledigen die Banken, während die Mittellosen auf den Parkbanken immer mehr werden.

Bleiben doch hier.

Bleiben doch hier.

Und nachdem wir uns wieder in den Armen lagen, suchten wir weiter nach einer Insel und haben schon mal eine Liste gemacht, was wir alles mitnehmen wollen. Aber ehrlich, ich denke, wir bleiben hier. Denn irgendwie ist es überall komisch geworden auf dieser Kuller von Erde.

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Uta Serwuschok / 23. Aug 2009

Moni

Mannis Geburtstag

Mannis Geburtstag war eigentlich schon gestern. Denn eben ist es Mitternacht geworden und ich, was die Moni bin, möchte allen Bloglesern sagen, dass Manni, was der Thomas ist, vor einer Stunde in unserem Theaterkneipchen eine Runde auf seinen Geburtstag geworfen hat.  Er ist sozusagen der letzte Löwe vom Sternbild Löwe. Nun ja, Manni ist kein Raubtier. Aber stark und unwiderstehlich. Das soll auch so bleiben.

Happy birthday, Thomas.

Deine SANFTWÜTIGEN

PS: Die Moni wollte dir ein Foto von einem Löwen aus Afrika schenken, was sie vom Professor Eulenberger bekommen hat. Aber die Moni hat Probleme mit der Technik. Denke dir bitte also zu den Glückwünschen einen schönen Löwen mit einer imposanten Löwenmähne.

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Uta Serwuschok / 09. Jul 2009

Moni

Moni schreibt Angela Merkel zum G-8 Gipfel

Meine liebe Angie,

dein Fan Moni hat einen Vorschlag. Also, da sehe ich dich in den Trümmern von L’Aquila mit dem Silvio laufen und denke mir, dass ihr vor Terroristen sicher seid, weil, die waren ja schon dort. Da muss sich die Moni um dich keine Sorgen machen.

Nun eine Frage. Hast du für die guten Menschen in L’Aquila ein Geschenk mitgebracht? Das macht man so, wenn man zu Besuch fährt. Wenn du jetzt nicht weißt, was du schenken kannst, dann hat die Moni einen Rat für dich. Liebe Angie, hole doch alle deutschen Baufirmen, die keine Arbeit wegen der Krise haben, zum Gipfel ins Erdbebengebiet. In der Zeit, wo ihr Politiker über das Klima plappert, Kaffee trinkt und durchs Trümmerfeld scharwenzelt, könnten die Bauarbeiter viele Häuser bauen. Ein paar machen das ja schon. Aber mehr wäre mehr. Und wenn jedes Gipfelland das machen täte, dann wäre das wirklich der Gipfel und besonders gut fürs Klima in der Welt.

Achtung! Bitte die Häuser so bauen, dass sie beim nächsten Beben nur beben und nicht zusammenstürzen. 

Deine Moni

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Uta Serwuschok / 08. Jul 2009

Moni

Eine kleine Sommergeschichte

Zu Diensten

In einem Café an der Strandpromenade eines mondänen Seebades nahm eine junge Familie an einem der Tische am Fenster Platz. Obwohl sie eher abseits saß, zog sie die Aufmerksamkeit auf sich. Das Ehepaar und seine drei Kinder gaben ein schönes Bild ab.

Sie wirkten modern und waren anspruchsvoll jugendlich gekleidet. Man hätte meinen können, sie haben Stil. Aber es war nicht ihre Erscheinung, weshalb jeder zu ihnen schaute. Es war die helle kommandierende Stimme der Frau. Lautstark dirigierte sie die Familie und keinem konnte entgehen, dass sie zu jener Sorte Mensch gehörte, die andere für sich laufen lassen.

“Jerome, ich habe meine Brille am Strand liegen lassen. Lauf und gehe sie suchen!” Jerome ging sie suchen.

Die Mutter war mit dem Aussehen ihrer jüngste Tochter nicht einverstanden. “Claire, steh auf! Geh aufs Zimmer und mach dich zurecht.” Claire ging aufs Zimmer und machte sich zurecht.

“Kathrin, … Kathrin hörst du nicht? Geh und frag bei der Rezeption nach, ob sich schon jemand für den Ausflug eingetragen hat!” Kathrin lief widerwillig zur Rezeption und fragte nach, ob sich jemand für den Ausflug eingetragen hatte.

Nach wenigen Minuten waren die Kinder erfolgreich vom Tisch entfernt. Blieb der Mann.

“Was gibt es denn für Kuchen?” Die Frau suchte in der Speisekarte.

“Hendrik, hast du gesehen, hier steht kein Kuchen in der Speisekarte.”

“Du musst ihn dir vorn an der Theke aussuchen.”

“Ich?”

“Ja, du.”

“Wieso gehst du nicht und holst ihn mir?”

“Weil ich nicht weiß, was du möchtest.”

“Natürlich weißt du, du kannst ruhig für mich gehen.”

“Keinen Schritt.”

“Madame.” Der Kellner Fabio hatte sich hinter das sich langsam in Streit redende Paar gestellt. “Bitte wählen Sie Ihren Kuchen aus.”

Es wurde still im Café. Die Leute schauten auf ein bizarres Bild. Fabio, der rasende Kellner, eine Art Urgestein des Badeortes, hatte die fahrbare Kuchentheke an seinen Rollstuhl gebunden und war, nachdem er die lauten Kommandos der Frau vernommen hatte, damit an ihren Tisch gerollt. Nun standen sie da. Die Kuchentheke und der im Rollstuhl sitzende Kellner.

“Bitte Madame, wählen Sie.”

“Mir gefällt Ihre Auswahl nicht”, erwiderte sie gereizt. Von der Situation peinlich berührt.

“Gut, dann bring ich Ihnen vielleicht einen Cappuccino? Oder einen Eisbecher? Nun, lassen Sie sich Zeit. Ich komme gerne wieder.

“Machen Sie sich keine Mühe!”

“Es macht mir keine Mühe, Madame.”

Fabio entfernte sich und zog die Theke klappernd hinter sich her. Irgendwie erinnerte es den Betrachter an ein Hochzeitsauto, das zusammengebundene leere Dosen und anderen Unrat hinter sich her zieht.

“Wir gehen!” Madame erhob sich, gefolgt von ihrem spöttisch lächelnden Gatten.  Die Blicke aller im Nacken verließen sie das Café.

“Fabio”, rief ein Gast “können Sie die Theke auch zu mir bringen?”

“Natürlich. Immer zu Diensten. Denn ich habe den köstlichsten Kuchen des Seebades, ach, was sag ich, der ganzen Küste und ich fahre ihn, wohin Sie wollen. Hauptsache Bewegung. Ich liebe es, wenn ich mich bewegen kann.”

Einer neigte sich vertrauensvoll zu ihm herunter und lästerte: “Madame war wohl etwas hysterisch.”

“Mag schon sein, aber sie hatte schöne Beine”, sagte Fabio verträumt, “wirklich schöne Beine.”

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