Uta Serwuschok / 20. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Der Techniker ist schuld

Der Techniker ist wie ein Gespenst. Man sieht ihn nicht, und dennoch ist er immer vorhanden und wir ihm ausgeliefert. Denn Sie, liebes Publikum, hätten ja nichts davon, wenn wir im Dunkeln stehen würden oder wenn die Mikrofone ohne Saft sind. Wobei, das kriegen wir auch so hin, denn wir sind als stimmgewaltig bekannt. Unser Techniker, der Herr Keller, kann aber nicht nur Licht machen. Er ist ein leidenschaftlicher Forscher. Und er liebt es, in seinen Computer zu kriechen und neue Dinge herauszufinden. So wie es Hausbesetzer gibt, so gibt es auch Computerbesetzer

Man muss solche Leute nie lange suchen, sie sitzen immer an ihrem Lieblingsspielzeug. Wenn jemand fragt, „wo ist Herr Keller“ kommt meist die Antwort: „Na wo, am Computer.“ Aber er ist auch ein leidenschaftlicher Bastler. Teile der Ausstattung für „Briefkästen weinen nicht“ wurden von ihm gebaut. So auch die schönen Briefe, die wir während der Vorstellung in den Briefkasten werfen. Jeder Brief wurde mit charakteristischen Details versehen. Das war wichtig für den Wiedererkennungseffekt im Finale. 

Herr Keller mit seinen Briefen

Herr Keller mit seinen Briefen

Als er die Briefe zur Probe mitbrachte, waren Choreografin und Regisseurin völlig aus dem Häuschen und des Lobes voll. Sie hätten Herrn Keller am liebsten adoptiert und schwebten in ihrer Begeisterung wie Elfen durch das Theater. Die beiden Frauen wissen eben: gute Requisiten und Kleider machen Leute …

Post to Twitter

keine Kommentare / Kommentar schreiben

Uta Serwuschok / 20. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Der Lauscher an der Wand… Was nicht im Text stand

Kabaretttexte sind wie Knetmasse. Der Spieler macht sie im Laufe der Zeit zu seinem persönlichen Produkt. Ist es der eigene Text, und bei Thomas ist das so, weil er die meisten schreibt, so lässt sich ziemlich entspannt alles „zurecht fummeln“. Hat man als Spieler einen Text von einem Autor, der obendrein dazu im Ensemble ist, wird das um vieles schwieriger.

Oberstes Prinzip ist der Respekt des Spielers vor dem Text. Wenn der Kabarettist das Geschriebene aber „ins Maul bekommen“ möchte, wie zum Beispiel bei einer Conferénce, dann ist es besser, er kann dies ohne die ständige Anwesenheit des Urhebers des Textes tun und ihm irgendwann das erprobte neue Produkt präsentieren. Sie müssen wissen, liebes Publikum, ein Kabarettprogramm ist mit der Geburt eines Kindes zu vergleichen. Erst kommt es runzlig zur Welt, dann wird es so nach und nach pummlig und irgendwann kann es laufen, plappern und wird ein ganz eigenständiges Wesen. So braucht die Kunst ihre Zeit. Nicht ohne Grund gibt es in der Theaterszene Fälle, wo Regisseure oder Texter nach der Premiere erst einmal Hausverbot bekommen, damit sie die Spieler nicht behindern.

Bei uns läuft das besser. Spannungsreicher. Wir hangeln uns nach der Premiere erst einmal auf die Hochspannungsleitung und laden uns auf. Da zischt und kracht es. Jeder hat seine Meinung, wie ein Text zu behandeln ist. Und jeder hat auf seine Weise Recht. Autor und Spieler müssen in der runzligen Phase unseres Programmbabys starke Nerven haben. Weil jeder von jedem alles hört. Denn Bühne und Künstlergarderobe sind nur durch einen Vorhang getrennt. Da hörst du alles. Jede weggelassene oder veränderte Textpassage, jede vermeintlich falsche Betonung. Da wird es für den auf der Bühne richtig schwer.

Ingolf, der zum Beispiel mit seinem Gitarrensolo den Liedtext von Thomas übernimmt und dann die eigenen Wortbeiträge drum herum entstehen lässt, weiß davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied zu singen.

Ingolf auf der Bühne/Thomas hinter dem Vorhang

Ingolf auf der Bühne/Thomas hinter dem Vorhang

Ingolf hat vor ein paar Tagen die Situation mit den Worten beschrieben: “Wenn ich Texter wäre und hinten stehen würde,  ich würde mich verkehrt rum aufhängen.“ Muss  aber nicht sein! Wenn wir dann nach einiger Zeit merken, dass alles rund läuft, kehrt Ruhe ein. Und es bleibt unser oberstes Gebot: Respekt vor dem Text. Und wenn es dann doch noch mal ein Problem gibt, dann liegt das nicht an uns. Dann gibt es keinen Zweifel: Der Techniker ist schuld.

Post to Twitter

keine Kommentare / Kommentar schreiben

Uta Serwuschok / 17. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Moni und Manni

Es wird Zeit, über die beiden zu reden. Eigentlich sind sie zwei Figuren aus dem Volk mit einem sehr schlichten Gemüt. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn Manni seine Hosen bis zu den Ohren hochzieht und das weibliche Geschlecht im Schlepptau mit den Männern im Publikum kreischt.

Manni auf der Bühne

Manni auf der Bühne

Da beginnt der große Auftritt intellektueller Kritiker, die nicht müde werden, diesen beiden Figuren die Existenz auf der Kabarettbühne abzusprechen. Da fallen Bemerkungen wie: kein politisches Kabarett, Schmierentheater, unter Niveau und viele andere mehr. Nun könnten wir uns zurücklehnen und sagen, dass uns das egal ist. Der Beliebtheit der Figuren schadet das nicht. Aber besonders der Vorwurf, es sei kein politisches Kabarett, stört. Denn Moni und Manni haben ein deutliches Profil. Unter dem Deckmantel ihres schrägen Outfits und des gelebten Patriarchats von Manni sagen sie bitterböse Dinge. Nichts ist ihnen heilig. Nichts ist ihnen fremd. Außer die Heuchelei und Doppelmoral der Gesellschaft.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Wer lacht da? Ein dummes Publikum? Wohl nicht. Oder haben genau jene Leute, die zu uns kommen, einen klaren Blick auf das was in den Ämtern, in der Firma, in Schulen oder in ihrem eigenen kleinen Privatleben passiert?
Darüber lohnt sich nachzudenken und wir tun das zu diesen beiden Figuren ganz in intensiv in unseren Probennotizen zu „Ewig bockt der Manni“. Jetzt bleiben wir bei „Briefkästen weinen nicht“.

Post to Twitter

keine Kommentare / Kommentar schreiben

Uta Serwuschok / 16. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Ein Mädchen namens Michelle

Unsere beiden beliebten Bühnenfiguren Moni und Manni haben seit drei Jahren eine Tochter. Bis zu diesem Sommer trug diese Figur den Namen Michelle. Er war so wunderbar dafür geeignet, die Aussprache zu verhunzen.

Als „Michell –e“. Auch wenn sie bislang als Figur noch nicht auf der Bühne war, so wussten unsere Fans, die Tochter von Moni und Manni heißt Michell-e. Sie war also im Bewusstsein der Zuschauer schon vorhanden. Und die Leute hatten ein sehr witziges Bild von ihr.

Dann wurde während der Zeit der Probenarbeiten in Leipzig ein Mädchen ermordet und die Menschen waren wie gelähmt in Anbetracht dieses Verbrechens. Das Mädchen trug den Namen Michelle. Als wir uns an diesem Tag zur Probe einfanden, war klar, dass wir auf keinen Fall den Namen mit unseren Späßen in Verbindung bringen konnten. Das war ein Tabu. Natürlich gibt es Tausende von Mädchen, die diesen Namen tragen. Aber wir wussten um das gesellschaftliche Gewissen. Und empfanden wie alle normalen Menschen eine tiefe Ohnmacht. So hat keiner nur eine Sekunde daran gedacht, den Versuch zu unternehmen, bei dem alten Namen zu bleiben.

Also wurde aus Michelle unsere Isabelle. Und so sieht sie aus.

 

Michelle/Isabelle

Michelle/Isabelle

              
Nun ist auch Isabelle auf der Bühne und komplettiert das Bild von Moni und Manni.

Post to Twitter

keine Kommentare / Kommentar schreiben

Uta Serwuschok / 16. Mai 2009

Briefkästen weinen nicht

Gibt es Tabus?

Oft fragen uns Zuschauer welche Inhalte wir auf der Kabarettbühne aussparen. Als wir zum Beispiel das Thema Parkinson im Programm „Die Macht ist nicht allein zum Schlafen da“ ansprachen, gab es hin und wieder nach der Vorstellung Diskussionen. Wir vertreten die Auffassung, dass wir zu viele Probleme aussparen müssten, würden wir alle heiklen Dinge verschweigen. Dort wählen wir die Konfrontation, auch, um eine Art Sensibilisierung vorzunehmen. Aber es gibt auch für das Kabarett Tabus.

Lesen Sie im nächsten Blogeintrag ein leider trauriges Beispiel dazu.

Post to Twitter

keine Kommentare / Kommentar schreiben

Seite 2 von 4 « 1 2 3 4 »