
Moni und Manni warten…

…sehnsüchtig auf die Premiere. (Fotos: serwu)
Ich schaue aus meinem Fenster und sehe dieses wunderschöne Wetter. Was für ein Altweibersommer! Wir, die wir die Produktion “Heute haun wir auf die Pauker” vorbereiten, bekommen von all dem, was die Natur so bietet, nicht viel mit. Man könnte im Theater sein Bett aufschlagen. Aber die Arbeit wird sich lohnen. In wenigen Tagen hebt sich der Vorhang für die Premiere. Ich bin schon jetzt schrecklich aufgeregt. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch viel an den Texten arbeiten muss, damit die Figuren stimmen und ich alles so in die Schnauze kriege, dass es den Zuschauern Spaß macht. Sie sollen ja nie die Arbeit sehen die dahinter steckt, sondern denken, das machen die immer so. Es geht um das Selbstverständliche. Kabarett hat für mich immer mit Alltag zu tun. Aber ein Alltag, der Glanz hat.
Für Glanz in diesem Programm sorgen schon die wunderschönen Lieder, die Thomas schrieb. Ich singe sie fortwährend zu Hause und bin froh, dass die Mieter unter mir ausgezogen sind und sich mein Gekrähe nicht anhören müssen. Aus allen Ecken und Ende lugt nun die Premiere. Am deutlichsten erkennt man sie an dem “Runddrumherum”, wie Manni sagen würde. So steht Ingolf, der die Druckerzeugnisse und das komplette Dokumentationsmaterial betreut, ständig auf der Matte und fragt nach dem Ablauf, dem Motiv für die Postkarten und dem Plakat. Sponsoren rufen an und bestellen ihre Plätze für die Premiere. Und meine Buchhalterin fragt immer nur ganz vorsichtig bei mir an, ob sie mich mal kurz, ganz kurz sprechen kann. Der normale Theaterbetrieb muss ja weiter gehen. Und ganz entzückend ist, wenn heimlich Obstsalate für uns hingestellt werden. Ein Gruß von Dirk und dem Theaterkneipchen Treppe D.
Alle wollen, dass es uns gut geht. Und alle sind neugierig. Unsere Kassenbesetzung sitzt manchmal im Technikraum und beobachtet, was da auf der Bühne passiert. Sie denken, wir kriegen sie nicht mit. Aber wie sagt Manni so schön: “Wir sehen alles.”
Es werden die letzten Requisiten geliefert, das Licht eingerichtet und die Bühnengarderobe besprochen.
Als Spieler darf man sich von all dem nicht verrückt machen lassen. Ruhig Blut!
Auch Anne-Kathrin Gummich und Silvia Zygouris können uns nur noch beistehen, denn auch für sie ist die Zeit gekommen, wo sie sich langsam zurücknehmen und uns machen lassen. Das sagt man so im Theaterjargon. Vor einer Stunde erhielt ich eine Mail von Anne-Kathrin, wo sie mir Mut für die Produktion machte. Auch daran erkennt man, der Vorhang wird sich in Kürze heben. Trotzdem ich noch sooooo viel zu lernen habe.
Oft habe ich mich in den letzten Wochen gefragt. Wie wichtig ist den Zuschauern das Thema Bildung? Welche Facetten hat es. Bei der Erarbeitung des Programms wurde mir sehr bewusst, dass es überall unser Leben bestimmt.
Gestern zum Beispiel erlebte ich, wie mindestes 80 Schüler im Alter von ca. 9 - 10 Jahren über eine Ampelkreuzung mussten. Die Lehrerinnen hatten ihre Mühe und brauchten dafür auch zwei Ampelschaltungen. Trotzdem die Frauen die Kinder zur Eile mahnten, trottelten einige bewusst langsam und ein ziemlich unscheinbarer Junge sagte trocken zu seiner Lehrerin: “Wenn wir überfahren werden, dann ist das auch nicht schlimm.” Sie antwortete eben so trocken zurück: “Wenn du das so siehst.” Und sortierte dabei entspannt den Pulk von kleinen Persönlichkeiten auf dem Fußweg. Ich ging meiner Wege und war mir so sicher, dass wir alles richtig machen.
In spiele in diesem Programm unter anderem auch eine Lehrerin. Dieses Erlebnis wird ihr nun ein Stück mehr Seele geben.
Wenn man diese Phase erreicht hat und sich das Auge auf all die konkreten Nummern richten kann, dann ist klar: die Premiere steht vor der Tür.
Am Mittwoch ist Generalprobe. Es soll dabei ganz viel schief gehen. Damit sich der Vorhang für eine erfolgreiche Premiere heben kann.