Uta Serwuschok / 27. Okt 2009

Manni Moni

Moni, Manni und Isabelle wollen wegen der neuen Regierung auswandern

Ja, der Manni hat befohlen, dass mir auf der Weltkarte eine Insel suchen. Ein Schnäppchen. Eine Insel, die wir bezahlen können. Denn seit gestern haben wir ganz große Angst. Unsere Kanzlerin, was die Angie ist, hat gesagt, sie setzt auf Wachstum, kann aber keine Garantie dafür geben, dass es klappt. Hilfe!!!!!!!! Und ganz schlimm ist, dass der Manni fast unserer kleinen Isabelle eine geklatscht hätte. Die ham sich in die Haare gekriegt.  Weil, die Isabelle hat gesagt, mir hätten mit der neuen Regierung zum ersten Mal einen Minister für Rentner. Der Manni: “Es gibt keinen Rentnerminister” und die Isabelle hat egal geblägt:” Doch.” “Und wer soll denn das sein?” hat der Manni drohend gefragt. Und die Isabelle: “Na, der alte Mann, der so heißt wie das, was ich nie von euch bekommen habe. Ein Brüderle.” Manni in Rage: “Der Herr Brüderle macht Wirtschaft”. Und darauf wieder die freche Isabelle: “Na, das kann ne schöne Wirtschaft werden. Papa, da muss ein junger Mann her. Ein Prinz, der aus dem Internet steigt. Der sich mit den wehwehwehs auskennt. So ein ganz moderner Mensch, wie der flotte Herr Guttenberg.” Und dann fängt die an zu heulen und sagt: “Der muss bald sterben. Wenn der als Verteidigungsminister nach Afghanistan fährt wird der doch umgebracht.” Ich habe sie dann beruhigt und getröstet, dass den keiner als Verteidigungsminister für voll nimmt und außer Gefahr ist. Und der Manni hat gesagt: “Isabelle, dass der Herr Brüderle jetzt Wirtschaft macht, das ist gewollt. Auf dem Posten überlebt jetzt jeder nur ein Jahr. Und wegen der sozialen Verträglichkeit müssen das Rentner sein. Denn die haben ihren Lohn sicher. Und der Herr Brüderle macht den Anfang. Dann holen wir den Blüm zurück, dann den Späth. Und wenn der abgewirtschaftet hat, dann holen wir, wenn er noch lebt, den Dicken aus Oggersheim. So schaffen wir es bis zur nächsten Wahl. Und wenn die Linken dann in der Regierung sind wird Peter Sodann Wirtschaftsminister. Hauptsache, es sitzt auf dem Posten eine Figur. Den Rest erledigen die Banken, während die Mittellosen auf den Parkbanken immer mehr werden.

Bleiben doch hier.

Bleiben doch hier.

Und nachdem wir uns wieder in den Armen lagen, suchten wir weiter nach einer Insel und haben schon mal eine Liste gemacht, was wir alles mitnehmen wollen. Aber ehrlich, ich denke, wir bleiben hier. Denn irgendwie ist es überall komisch geworden auf dieser Kuller von Erde.


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Uta Serwuschok / 24. Okt 2009

Mein Leipzig

Meine QUELLE

Mit Blick auf die aktuelle Lage des insolventen Konzerns QUELLE erscheint  der eigentlich optimistische Spruch wie Hohn:  ”Ich sitze an der Quelle.”


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Uta Serwuschok / 21. Okt 2009

News

Ohne uns läuft gar nichts - die Techniker von Sanftwut

Sagen wir mal so.  Techniker muss man behandeln wie rohe Eier. Sie sind nicht nur wichtig. Ohne die läuft einfach nichts. Sie sind zwar die Leute im Hintergrund, haben aber den Status einer Diva. Unsere beiden Techniker sind nicht wie Diven. Da fehlt ihnen der edle Stoff um die Hüften. Nein, unsere Lichtonkels sind eher VIPs. Nur, dass sie selten zu Empfängen gehen. Man lädt sie nicht ein, man nimmt sie in die Pflicht in Sachen Licht und Ton. Sie sind wie die kleinen Lämpchen am Fernseher oder Computer, die auch im Ruhestand leuchten und uns damit sagen: wir sind stand by. Sie stellen sich in den Dienst derer, die da oben auf der Bühne rumkaspern oder ernste Dinge erzählen. Sie setzen uns ins richtige Licht und bei hysterischen Spielern auch in die Nesseln. Denn ein Techniker hat viel Macht. Wissen Sie, wie man ganz hinterlistig ein Gesicht kalkweiß in Szene setzen kann?  Oder wie wunderbar Falten zu Furchen werden, nur weil da ein blaues Licht ist? Aber wissen Sie auch, wie liebevolle Techniker dir mit warmen Licht die Müdigkeit vom Gesicht nehme? Wie sie dir regelrecht ein Wohlfühlerlebnis zaubern und was für ein Gefühl von Sicherheit gegeben wird? Ohne unsere Scheinwerfer auf zwei Beinen wären wir fast nichts.

Dirk und Bojko auf der Sanftwut-Couch

Dirk und Bojko auf der Sanftwut-Couch

Bei SANFTWUT sind die Techniker auch Künstler. Sie stehen selbst auf der Bühne. Dirk, der Koordinator aller technischen Vorgänge, spielt im E-Team und verkauft mit großem Erfolg abends zur Vorstellungspause seine Fettbemmen. Immer beginnend mit dem herrlichen Kommentar: “So, jetzt kommen wir zu dem unvergesslichen Teil des Abends.” Und Bojko spielt Dudelsack, macht Filme und singt. Letzteres macht er heimlich. Unter dem Vorwand des Einrichten der Tontechnik.  Aber unsere Techniker bringen uns auch Tee, etwas zu Essen und erheitern uns mit ihren Kommentaren zum Publikum. Das sehen die beiden nämlich zuerst. Sie kriegen noch vor uns Kabarettisten eine Ahnung davon, wie der Abend läuft.

Jetzt zur Lachmesse hat die Technik viel zu tun. Uns Sanftwut-Kabarettisten kennen sie wie alte Latschen. Die Gäste der Lachmesse aber haben lauter unbekannte Größen im Gepäck. Man weiß nie vor ihrer Ankunft ob alles ausreicht, was bereit steht. Ob wirklich alles gut laufen kann. Da haben wir von dem Aufwand der Arbeit und der inneren Aufregung nicht wirklich Ahnung und da überlasse ich diesen Lichtzauberern gerne das Feld. Diese müssen ihre psychologische Erfahrung ausspielen, wenn einer verspätet kommt und nervös wird. Sie müssen der Ruhepol sein oder sich auch anhören, wenn etwas so gar nicht gefällt. Oder sie organisieren in Windeseile von einem anderen Theater ein neues Mikro oder ein fehlendes Requisit.

Künstler der Technik

Künstler der Technik

Einmal vor vielen Jahren erlebte ich, wie die Rache von Technikern aussieht, wenn man sie nicht gut behandelt. Wir spielten damals noch im Boccaccio in der Eisnerstr. und hatten eine Künstlerin aus Frankfurt am Main zu Gast. Sie kam mit einem zwanzigseitigen Technikplan, wollte nur Biomöhren und Biowein und überhaupt nur Schnickschnack. Und sie quälte die Techniker, drei an der Zahl. Sie wollte Tontechnik wie eine Rockband. In diesem kleinen Boccaccio. Jeder griff sich an den Kopf. Die Künstlerin war vor der Vorstellung nicht auszustehen und wie wir dann erleben mussten, ihre Kunst auch nicht. Das Ding ging so was von in die Hose. Und da erlebte ich, wirklich nur einmal, was Techniker machen können, wenn du sie nicht gut behandelst. Ganz laut und so, dass die Künstlerin alles hörte, wurde darüber gesprochen, wie Scheiße der Abend war. Und da das Boccaccio keinen Hinterausgang hatte, musste der “Star” aus Frankfurt am Main an den Jungs der Technik vorbei. Irgendwie schaffte sie das auch. Die zweite geplante Veranstaltung einen Tag später sagte sie wegen Erkrankung ab.

Wir quälen keinen. Wir sagen unserer Technik und auch all den anderen an der Lachmesse beteiligten Technikern jetzt schon mal zur Halbzeit ein dickes Danke.


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Uta Serwuschok / 19. Okt 2009

News

Wunderbare Krissie Illing

Sie ist in London geboren, lebt in der Nähe von Toulouse, ihr Techniker hört auf den Namen Zeus und gestern war sie zur Lachmesse mit “Wilma’s Jubilee” bei uns im Theater Sanftwut. Krissie Illing, eine zierliche Person mit einem großen Herzen. Politische Satire war das nicht, was wir da sahen, aber ein Abend, der viel über unsere menschlichen Nöte erzählt. Es ging nicht um Geld, um Korruption oder vergammelte Atomkraftwerke. Nein, es ging um das Kraftwerk Mensch.

Krissie mit ihrem Techniker Zeus J. Borrmann

Krissie mit ihrem Techniker Zeus J. Borrmann

Der so viele kleine Probleme in seiner Seele ansammelt, dass ganze Heerscharen von Psychologen beschäftigt werden müssen, damit es einigermaßen im Leben läuft. Krissie setzt genau dort an. Weshalb neben all dem Spaß dieser Abend auch ein sehr berührender wurde. Wilma, so heißt die Bühnenfigur, spricht mit uns Englisch, hin und wieder wirft sie uns auch ein deutsches Wort in den Saal. Das müsste gar nicht sein. Denn wie sagt sie zu uns: “Ich bin sehr visuell.” Stimmt. Sie braucht keine Worte. Sie ist plappernde Pantomimin, Tänzerin und auch Bauchrednerin. Da sie allein auf der Bühne ist, nimmt sie diesen einsamen Part, um auf unsere Sehnsüchte nach Zweisamkeit und Wärme aufmerksam zu machen. Herrlich anzusehen, wie sie ihre Wohnung doppelt und dreifach verriegelt und vernagelt, nachdem der Mann ihrer Träume die selbige betreten hat. So, als wollte sie ihn nie mehr ziehen lassen. Und ebenso schön der Versuch, ohne Kontaktlinsen das Dinner zu bestreiten. Krissie Illing erweist sich gerade bei dieser Nummer als absoluter Profi. Sie holt einen Mitspieler aus dem Publikum.  Wir alle wissen, wie schnell solche Aktionen in die Hose gehen können. Aber Krissie weiß die Grenzen auszuloten. Da wird nichts beschädigt und wir alle haben unseren Spaß.

Fast schon wie Partner – Krissie und ihr Traummann aus dem Publikum

Fast schon wie Partner – Krissie und ihr Traummann aus dem Publikum

Schwarzhumorig geht sie mit ihrer Katze um und Hühner haben es auch nicht so gut bei Wilma. Eine im Publikum sagte, “das ist wieder was für den Tierschutzverein”. Aber es ist so genau beobachtet. Jeder weiß, was dieses Illingsche Bewegungstheater uns erzählen will. Ja, erzählt wird viel.  Poetisch klar und ohne Scheu vor Bitterkeit. Das funktioniert wunderbar, weil alles auch clownesk ist. Da sagen sich auch viele traurige Dinge leichter.  So ist sicher ihr Duett, welches sie mit der Puppe singt,  einer der emotionalen Höhepunkte. Und so verlassen wir diesen Abend eben auch mit einer Träne im Knopfloch. Und fast wollte ich mich schon festlegen, dass eben so gar nichts Politisches an diesem Abend ist. Da bringt sie die Zugabe. Die alternde Regentin, die zu tun hat, mit ihren morschen Knochen den Bewegungsapparat zu koordinieren und deutlich die Vermutung zulässt, dass der Kopf mit ähnlichem Zeitlupentempo arbeitet. Und da spätestens fragt man sich angesichts weltweiter Herrscher im fortgeschrittenen Alter, was für Unheil noch auf uns zukommt. Das ist nicht lustig im Leben, aber auf der Bühne schon. Das genau macht die Kunst von “Wilma’s Jubilee” aus.

Thank you very much, Krissie.


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Uta Serwuschok / 18. Okt 2009

News

Formulierung des Tages: Steuerpolitischer Blindflug

Wenn man den Nachrichten glauben darf, soll bei den Koalitionsverhandlungen der Ministerpräsident Wulff (CDU) dem FDP-Chef Westerwelle “steuerpolitischen Blindflug” vorgeworfen haben. Da wird mir der Herr Wulff ganz sympathisch.

Es kracht also bei den Verhandlungen. Vielleicht koaliert die CDU ja in ihrer Not noch mit den Linken. Denn bei der SPD brauchen die gar nicht anzuklopfen. Diese Partei ist auf lange Zeit beleidigt und hält ihre Vorstandssitzungen im Kindergarten ” Gabriel und Freunde” ab. Und die Grünen organisieren schon wieder Sitzblockaden wegen der neuen längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke. Na ja, vielleicht löst sich das Problem der Koalitionen mal von selbst. Wenn diese Zeitbomben von Atomkraftwerken weiter vor sich hin dümpeln kann es schon es mal sein, dass wir am Ende alle die Hufe hoch machen. Aber wie es sich gehört - mit strahlendem Gesicht.


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