Ja, das machen wir. Manchmal. Wie letztes Wochenende. Unsere Reiseroute: Leipzig-München-Leipzig-Ilsenburg-Leipzig.
Am Freitag ging es für Moni und Manni 7.15 Uhr mit dem Zug nach MÜNCHEN. Das Technikauto war bereits auf der Autobahn. Eingeladen hatte uns die bayerische Lehrergewerkschaft mit dem Programm “Heute haun wir auf die Pauker”. An diesem Tag war bei der Abfahrt in Leipzig eher ungemütliches Wetter. Als wir mittags in München ankamen, schien die Sonne. Ein herrlicher Frühlingstag. Wir hatten noch etwas Zeit und schlenderten durch das Zentrum, wo es von Menschen nur so wimmelte. Mein O-Ton zu Thomas: “Sag mal, arbeitet hier überhaupt einer?” Die meisten aber waren natürlich Touristen. Wir gingen über den Viktualienmarkt und staunten (auch nach 20 Jahren Einheit) über all die Leckereien und genossen die mediterrane Atmosphäre. Dann trottelten wir über die Oktoberfestwiese zum Veranstaltungsort, dem “Kongressgarten” an der Theresienhöhe. Wir waren völlig entspannt. Das sollte sich aber bald ändern.
Um es vorweg zu nehmen. Dieser Freitag zählt zu den beeindruckendsten Erlebnissen meiner Spielerlaufbahn. Selbst mit dritten Zähnen werde ich davon noch berichten.

Immer lächeln: Thomas und Udo
Udo, unser Techniker, war schon da und wir besichtigten die Gegebenheiten. Der Saal war eingerichtet für einen Tanzabend. Nicht für Kabarett. Denn es war vor der Bühne kein Stuhl in Sicht. Nur Tanzfläche. Diese sollten wir anspielen. Also voll ins Leere. Die Zuschauer waren in kleinen hübschen Nischen geplant. Ein Drittel davon hätte mit dem Rücken zu uns gesessen. Hurra! 
Erste Maßnahme: Elke Hahn, unsere Ansprechpartnerin, später nur noch Elke von uns genannt (man duzt sich bei der Gewerkschaft), musste gemeinsam mit der Gastronomie überzeugt werden, dass die Leute bei dem Programm mit ihren Stühlen auf die Tanzfläche rücken. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Wuff! Die erste Hürde war genommen.
Zweitens wollte ich Elke davon überzeugen, dass wir in einem Block spielen. “Elke, lieber ein Programmteil etwas länger als geteilt, die wollen doch irgendwann tanzen und reden.” “Nein, Uta, wir spielen 2 x 45 Minuten mit Pause.” Hängende Ohren bei mir.
Das bedeutet, dass in der Pause unsere Technik zur Seite geräumt wird, die Technik der Lehrer-Band, nach vorne kommt, dann Halligalli mit Tanz ist und danach sollen alle noch mal ganz brav dem Kabarett weitere 45 Minuten zuhören. In meinem Kopf entwickelten sich Horrorszenarien, die auch so stattgefunden hätten. Hätten wir nicht … Ja, hätten wir nicht im ersten Teil bereits eine Fangemeinde gewonnen.
Wir richteten uns also mit den Requisiten ein und liefen kurz ins Hotel. Das war quadratisch, praktisch, gut und ein Eldorado für Neugierige – sehr hellhörig.
Dann standen wir hinter der Bühne und harrten, ob irgendwer von den Gästen sich auf die Bänke, die nun auf dem Tanzparkett standen, hinsetzt. Sie setzten sich. Elke hat das organisiert. Und so starteten wir “Heute haun wir auf die Pauker”. Wir gewannen sofort die Sympathie.
Dann kam die Pause und mit ihr eine neue Situation.

Prima Idee: Eine Lehrerband
Ich traute meinen Augen kaum. Die räumten unsere Zuschauerbänke weg
und alle Gäste hüpften nun zu den Rhythmen der Lehrerband auf der Tanzfläche rum. “Niemals”, sagte ich zu Thomas und Udo, “wollen die uns noch mal sehen.” Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. Mir graute vor dem zweiten Teil. Und ich saß völlig frustriert in meiner Ecke. Eine solche Situation ist eine Zerreissprobe für das Ensemble, denn da prallen sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander. Hier aber zeigt sich die Professionalität. “The Show Must Go On”.
Die Pause dauerte 40 Minuten und ich war ein Häufchen Elend. Wir hatten so schöne Nummern im zweiten Teil, aber da musste man uns doch zuhören… Bänke gab es auch keine mehr. Alle sitzen in den Nischen und plappern laut. Wer will uns noch sehen?
Viele. Wirklich viele. Denn es geschah etwas, was ich nicht für möglich hielt. Die Lehrer holten sich die schon ausgelagerten Bänke zurück. Sie stellten sie auf, setzen sich hin und klatschten uns heraus. Der Lärmpegel war zu Beginn des zweiten Teils größer und die Arbeit dadurch härter. Aber als wir “Respekt” sangen, war es ganz ruhig im Saal und alle hörten mit ganzer Seele zu. So gelang uns ein großer Erfolg.
Wie viel Anerkennung unsere Programme genießen, kann man an einem solchen Abend auch bei den Kellnern sehen. Sie nämlich gingen nicht aus dem Saal, sondern hörten uns zu, nachdem sie an uns Gefallen fanden. Und nach der Vorstellung verwöhnten sie uns und erzählten uns auch, dass wir die vorerst letzten Künstler und Gäste im “Kongressgarten” waren, da der Betreiber Insolvenz anmelden musste. Hilfe. Jetzt hatte ich mich gerade mit der “Hütte” angefreundet und nun machen die dicht.

Hüpfende und tanzende Lehrer
Glücklich, wie Bauern, die eine reiche Ernte eingefahren haben, saßen wir dann bei der Lehrerband und winkten den hüpfenden Lehrern, unseren Fans, zu.
Samstag fuhren wir mit dem Zug 7.20 wieder aus dem Münchner Hauptbahnhof raus. Und an dieser Stelle wollen wir unserem Sanftwut-Stammgast, Claus Weselsky (Chef der GDL), danken, dass es keinen Streik gab. So konnte alles seinen geregelten Gang gehen.
Was hat man an einem solchen Tag wie in München zu verlieren? Natürlich den künstlerischen Ruf. Und Requisiten! Denn am Nachmittag stellten wir in Leipzig fest, dass unsere Hedwig (Thomas) die komplette Bühnenkleidung für “Sörweivel” in München vergessen hat. Die hing dort ganz still auf einem Kleiderständer, den keiner beim Einpacken beachtet hatte.
So trug am Samstag Thomas eine Fahrradjacke von Ingolf, die wir in der Garderobe fanden, und einen Hut mit Federn. Er sah noch schräger aus als sonst.
Bisher dachte ich bei dem Wort München immer an Brezeln, Viktualienmarkt und den von mir geliebten bayerischen Dialekt. Heute denke ich an jene Lehrer, die sich cool ihre Bänke zurück holten, hinsetzen, Pssssssst! im ganzen Saal machten und uns dann erwartungsfroh ansahen. Wir hatten eine hohes Bildungsziel eingelöst: voneinander lernen.
DAS BERGHOTEL ILSENBURG
Sonntag ging es in den Harz. Die Sonne schien und wir hatten eine sehr gemütliche Fahrt. Ich kann sagen, dieser Sonntag war wie eine Entschädigung vom stressigen München.
Wir rollten durch schön anzuschauende kleine Orte. Am Stadtrand von Ilsenburg gab es die erste Überraschung. Wir sahen eine imposante Werbung zu unserer Veranstaltung. Manni hat diese bereits im vorhergehenden Artikel mit einem Foto dokumentiert.
Das Hotel ist in traumhafter Lage und besticht durch viele liebevolle Details . Ob der Garten oder die vielen individuellen Nischen im Hotel, alles ist sehr einladend. Nachteilig ist da nur, wenn man zur Arbeit angereist ist. Denn ich kam mir vor wie im Urlaub. Das Zimmer war hell und nicht hellhörig und am Morgen wurde ich von Vogelgezwitscher geweckt .
Wir fühlten uns gut aufgehoben und konnten ganz in Ruhe unser Programm: “Und ewig bockt der Manni” spielen. Auch hier flogen uns die Herzen zu. Nach der Vorstellung sprachen wir dem Besitzer des Hotels und hörten von beeindruckenden Plänen. Eine große Investition steht an mit neuem Wellnessbereich, Liegewiese u. u. u. Ich traue diesem Unternehmen zu, dass es mit Erfolg seine Vorhaben umsetzt. Denn das “Berghotel Ilsenburg” hat die Zeichen der Zeit erkannt: sie setzen auf Individualität und auf sehr persönlichen Umgang mit dem Gast. In diesem Hotel ließ ich mir einen Prospekt geben, um privat noch einmal dort hin zu fahren: zum Wandern, zum Schlemmen und um mich zu erholen.
Bei all dieser sonntäglichen Schönheit wäre uns fast entgangen, dass in Stuttgart ein großer Machtwechsel stattgefunden hatte. Da saßen wir dann zu später Stunde bei einem leckeren Abendessen und philosophierten über die Politik, über Japan und über den Zustand in Deutschland. Wir hatten an diesem Abend etwas Seltenes: Zeit zum Nachdenken. Das Leben ist oft so laut und hektisch. Solche Stunden tun gut.
Als ich auf der Terrasse des Hotels saß und auf die Harzer Landschaft schaute, war ich mir sicher, wir haben den schönsten Beruf der Welt.
Bei Sonne kamen wir an und mit Sonne fuhren wir auch gemütlich nach Hause. Udo, der ein umsichtiger Techniker und Fahrer ist, gebührt von Seiten des Ensembles dabei ein besonderer Dank.
PS: Schaut auch auf den voran stehenden Artikel von Thomas mit den kleinen Fotos.
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