Uta Serwuschok / 19. Okt 2009

News

Wunderbare Krissie Illing

Sie ist in London geboren, lebt in der Nähe von Toulouse, ihr Techniker hört auf den Namen Zeus und gestern war sie zur Lachmesse mit “Wilma’s Jubilee” bei uns im Theater Sanftwut. Krissie Illing, eine zierliche Person mit einem großen Herzen. Politische Satire war das nicht, was wir da sahen, aber ein Abend, der viel über unsere menschlichen Nöte erzählt. Es ging nicht um Geld, um Korruption oder vergammelte Atomkraftwerke. Nein, es ging um das Kraftwerk Mensch.

Krissie mit ihrem Techniker Zeus J. Borrmann

Krissie mit ihrem Techniker Zeus J. Borrmann

Der so viele kleine Probleme in seiner Seele ansammelt, dass ganze Heerscharen von Psychologen beschäftigt werden müssen, damit es einigermaßen im Leben läuft. Krissie setzt genau dort an. Weshalb neben all dem Spaß dieser Abend auch ein sehr berührender wurde. Wilma, so heißt die Bühnenfigur, spricht mit uns Englisch, hin und wieder wirft sie uns auch ein deutsches Wort in den Saal. Das müsste gar nicht sein. Denn wie sagt sie zu uns: “Ich bin sehr visuell.” Stimmt. Sie braucht keine Worte. Sie ist plappernde Pantomimin, Tänzerin und auch Bauchrednerin. Da sie allein auf der Bühne ist, nimmt sie diesen einsamen Part, um auf unsere Sehnsüchte nach Zweisamkeit und Wärme aufmerksam zu machen. Herrlich anzusehen, wie sie ihre Wohnung doppelt und dreifach verriegelt und vernagelt, nachdem der Mann ihrer Träume die selbige betreten hat. So, als wollte sie ihn nie mehr ziehen lassen. Und ebenso schön der Versuch, ohne Kontaktlinsen das Dinner zu bestreiten. Krissie Illing erweist sich gerade bei dieser Nummer als absoluter Profi. Sie holt einen Mitspieler aus dem Publikum.  Wir alle wissen, wie schnell solche Aktionen in die Hose gehen können. Aber Krissie weiß die Grenzen auszuloten. Da wird nichts beschädigt und wir alle haben unseren Spaß.

Fast schon wie Partner – Krissie und ihr Traummann aus dem Publikum

Fast schon wie Partner – Krissie und ihr Traummann aus dem Publikum

Schwarzhumorig geht sie mit ihrer Katze um und Hühner haben es auch nicht so gut bei Wilma. Eine im Publikum sagte, “das ist wieder was für den Tierschutzverein”. Aber es ist so genau beobachtet. Jeder weiß, was dieses Illingsche Bewegungstheater uns erzählen will. Ja, erzählt wird viel.  Poetisch klar und ohne Scheu vor Bitterkeit. Das funktioniert wunderbar, weil alles auch clownesk ist. Da sagen sich auch viele traurige Dinge leichter.  So ist sicher ihr Duett, welches sie mit der Puppe singt,  einer der emotionalen Höhepunkte. Und so verlassen wir diesen Abend eben auch mit einer Träne im Knopfloch. Und fast wollte ich mich schon festlegen, dass eben so gar nichts Politisches an diesem Abend ist. Da bringt sie die Zugabe. Die alternde Regentin, die zu tun hat, mit ihren morschen Knochen den Bewegungsapparat zu koordinieren und deutlich die Vermutung zulässt, dass der Kopf mit ähnlichem Zeitlupentempo arbeitet. Und da spätestens fragt man sich angesichts weltweiter Herrscher im fortgeschrittenen Alter, was für Unheil noch auf uns zukommt. Das ist nicht lustig im Leben, aber auf der Bühne schon. Das genau macht die Kunst von “Wilma’s Jubilee” aus.

Thank you very much, Krissie.

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Uta Serwuschok / 18. Okt 2009

News

Formulierung des Tages: Steuerpolitischer Blindflug

Wenn man den Nachrichten glauben darf, soll bei den Koalitionsverhandlungen der Ministerpräsident Wulff (CDU) dem FDP-Chef Westerwelle “steuerpolitischen Blindflug” vorgeworfen haben. Da wird mir der Herr Wulff ganz sympathisch.

Es kracht also bei den Verhandlungen. Vielleicht koaliert die CDU ja in ihrer Not noch mit den Linken. Denn bei der SPD brauchen die gar nicht anzuklopfen. Diese Partei ist auf lange Zeit beleidigt und hält ihre Vorstandssitzungen im Kindergarten ” Gabriel und Freunde” ab. Und die Grünen organisieren schon wieder Sitzblockaden wegen der neuen längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke. Na ja, vielleicht löst sich das Problem der Koalitionen mal von selbst. Wenn diese Zeitbomben von Atomkraftwerken weiter vor sich hin dümpeln kann es schon es mal sein, dass wir am Ende alle die Hufe hoch machen. Aber wie es sich gehört – mit strahlendem Gesicht.

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Uta Serwuschok / 18. Okt 2009

News

Heute ist Lachmesse. Wir sagen: Welcome, Krissie Illing

Es ist angerichtet  für unseren Lachmessegast: der Techniker steht bereit, ein Obstteller ist in Arbeit und auf einer Karte, die wir Sanftwütigen geschrieben haben, steht:

“Welcome in the Kabarett Sanftwut, Krissie Illing! Nice to meet you.”

Lass es krachen!

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Uta Serwuschok / 16. Okt 2009

Publikum

Rotnasenzeit

Es niest und hustet wieder in unserem Theater. Die Zuschauer kommen nun häufig mit kleinen hinterlistigen Wesen zu uns. Man nennt sie Bakterien oder Viren. Manch einer kommt sogar schon auf allen Viren und denkt nicht daran, dass unser Bruttosozialprodukt gesunde Menschen braucht. Bitte, liebes Publikum, da gibt es so kleine Spritzen, die man sich geben lassen kann, zum Schutz. Und meist werden diese Spritzen von ganz süßen Schwestern (auch Sprechstundenhilfe genannt) gegeben. Da hat man was davon. Und wenn Sie, lieber Zuschauer, sich ranhalten, lässt sich die Schwester vielleicht zu einer Spritztour einladen. Grippeschutzimpfung tut gar nicht weh. Und ist so gut für uns, unsere Stimmen und für Sie. Also, es gibt nicht nur einen Kampf gegen den internationalen Terror. Sondern auch einen Kampf gegen diese schnöden Erkältungskrankheiten, Grippen und andere um die Welt reisende Ungeheuer. Wie die Schweinegrippe zum Beispiel. Keiner will doch sagen, “Mensch hab ich ein Schwein gehabt.”  Anstecken sollen sich unsere Zuschauer nur beim Lachen. Ist das klar?!

So bitte nicht kommen!!!

So bitte nicht kommen!!!

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Uta Serwuschok / 14. Okt 2009

Freunde News

Graue Eminenz der Lachmesse – Chef Arnulf Eichhorn

In Leipzigs Kabaretthäusern geht es wieder rund. Die 19. Lachmesse startet und überall wird geblödelt, gelacht und natürlich auch nachgedacht. Über all das, was wir unter dem Dach des Europäischen Humor- und Satirefestivals eingekauft haben. Man sieht Newcomer und alte Hasen, noch dazu berühmte, die dieses so erfolgreiche Festival mit Leben erfüllen. Die Kulisse ist eher laut, quirlig. Der Mann, der die Fäden im Hintergrund zieht, der ist eher ein leiser Typ.

Dennoch hat er sich Respekt verschafft. Durch Fachkenntnis und verantwortungsbewusste Haltung zur Kunst des Kabaretts. Sein Name ist Arnulf Eichhorn. Von allen nur Arnulf genannt.
Arnulf kündigt sich in der Regel nicht an. Arnulf ist einfach da. Zu ganz bestimmten Zeiten im Jahr hockt er zum Beispiel bei uns am Stammtisch und tut so, als wolle er nur ein Bier trinken. Aber er trinkt nicht nur ein
Bier. Im zeitigen Frühjahr holt er, so ganz nebenbei, immer ein paar Zettel aus der Tasche, wo Künstler draufstehen. Künstler, deren Programme er als zeigenswert empfindet. Dann sitzen wir beisammen und prüfen, welche Gastspiele für uns im Kabaretttheater Sanftwut in Frage kommen und machen mit ihm Nägel und Köpfe. Diese Leipziger Lachmesse ist durch Arnulfs Engagement heute zu einer bedeutenden Adresse geworden. Es ist sehr wohl ein Aushängeschild auch für die berühmten Künstler, in Leipzig bei der Lachmesse dabei zu sein. Arnulf hat dem Leipziger Publikum Gastspiele mit namhaften Künstlern beschert. Dazu gehören Emil Steinberger, Mathias Richling, Dieter Hildebrandt, Gardi Hutter oder Tom Pauls, mit dem Arnulf eine langjährige Freundschaft verbindet.

Arnulf mit Tom Pauls

Arnulf mit Tom Pauls

Wir nennen ihn auch die graue Eminenz. Weil er so unauffällig mit ziemlichem Einfluss diesen Apparat Lachmesse bewegt. In seinem Büro laufen alle Fäden zusammen. Und auf erstaunliche Weise vermag Arnulf, der ja auch Chef ist,
sogar zu sagen, welcher Künstler sich in seinem Hotelzimmer wohl fühlt und wer lieber auf einem Hausboot schlafen möchte. Er kennt die Cateringwünsche ebenso wie die familiären Sorgen unserer Gastspielkollegen. Und natürlich
fragt man sich, ob dieser Mann auch mal schläft. Sagen wir mal so, während der Lachmesse könnte es schon sein, dass Arnulf auf einer Parkbank anzutreffen ist. Nicht als Obdachloser, sondern als einer, der seine Zeit effektiv einteilt. Was soll er erst nach Hause fahren, wenn er auf der Parkbank gleich noch ein paar Akten und Bühnenanweisungen durchgehen kann.

Korrekturen müssen sein

Korrekturen müssen sein

Zugegeben, eine etwas übertriebene Betrachtung, aber dicht an der Realität dran. Arnulf hält keine all zu großen Reden und schon gar nicht wird er laut. Ich habe ihn in fast zwanzig Jahren Zusammenarbeit noch nie brüllen hören. Obwohl ein solches Festival nach leidenschaftlichen Ausbrüchen schreit. Denn immerhin finden in der Zeit vom 15. – 25. Oktober knapp 100 Veranstaltungen in Leipzig statt. Arnulfs Wortschatz ist eher überschaubar. Aber dafür für uns Insider gut zu verstehen. Wenn ihm etwas gut gefällt, dann sagt er: „Zauberhaft.“ Wenn ihm etwas nicht so gut gefällt, er aber die Arbeit anerkennt, dann sagt er: „Respekt.“ Und zu unserer letzten Premiere sagte er sogar einen ganzen Satz: „Ich habe mich gut amüsiert.“ Will heißen, er mag uns.
Wie jeder Förderer der Kunstszene, und das Festival ist mit den beteiligten Kabaretthäusern ein Förderer, lässt sich über Arnulf auch streiten. Es gibt immer auch andere Ideen, wie ein Festival zu leiten ist. Aber Arnulf hat das Copyright und wie ich finde, zu Recht. Sein Engagement für das Kabarett ist Herzenssache. Sein Wissen um die internationale Satireszene beeindruckend und die Stabilität des Festivals sein fast 20 Jahren ebenso. Wir in der Kabarettszene wissen, dass erfolgreiche Kunst und ihre Events von Personen abhängig sind. Arnulf Eichhorn, unsere graue Eminenz, ist so eine Person.

Objekt der Begierde - der Löwenzahn mit Preisträger Eckel und Arnulf

Objekt der Begierde - der Löwenzahn mit Preisträger Eckel und Arnulf

Nun startet die Lachmesse und wenn  sie vorbei ist, wird der Preisträger gekürt. Er bekommt den berühmten Leipziger Löwenzahn. Arnulf bekäme von mir keinen Löwenzahn, sondern ein ganzes Löwengebiss.

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