Also, am Sonntag spielten wir in Borna “Heute haun wir auf die Pauker”. Das war lustig. Nicht nur wegen uns. Sondern wegen des großen Klassikers der Fussball-WM: Deutschland gegen England. Der Vorstellungsbeginn lag am Schluss des Spiels. “Vorausgesetzt, die spielen nicht unentschieden und müssen in die Verlängerung, können wir das Spiel bis zu Ende sehen.” So die Worte von Manni.
Ich verrate euch mal was: der Manni kommt zu Vorstellungsbeginn immer auf den letzten Drücker. Er hat ein absolutes Zeitgefühl und achtet auf jede Minute. Aber am Sonntag sprang er schon vor mir (der Moni) auf der Bühne rum und richtete sich ein. Und wie ich so in den Veranstaltungssaal komme, hörte ich die Deutsche Nationalhymne. Erst dachte ich, die wurde für mich, die Moni, gespielt.
Nein, die Jungs (Thomas und unser Techniker Udo) hatten schon ganz clever hinter der Bühne den Computer für das Fußballspiel installiert und schauten (eher genervt) auf das immer wieder stehen bleibende Bild. Also flitzte Thomas ins Café um die Ecke.
Ich blieb mit Wolfgang und Monica Schütte zurück. Sie vertraten würdig den Veranstalter des Abends: die Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig/Mundartstiftung.
Als das erste Tor fiel, saß plötzlich das komplette Team (einschließlich Technik) bei mir hinter der Bühne. Das Bild hatte jetzt beste Qualität und irgendwie wurden es immer mehr Leute, die bei mir waren. Dann kamen die Zuschauer (beachtlich viele für die Hitze und das Fußballspiel) und wurden von uns immer über den Stand der Dinge informiert.
Irgendwann war das Spiel zu Ende und wir machten uns für den Auftritt fertig. Da kam Udo, unser Techniker, und sagte zu mir: “Ich lass dir den Computer an und mache nur den Ton weg.” Das hätte er nicht tun sollen!
Was für eine Verführung.
Uta-Moni saß nun während der Vorstellung, wenn sie nicht dran war, vor dem Computer-Fernseher und sah nur noch Bilder. Und die waren so spannend! Zum Beispiel konnte ich sehen, wie Angela Merkel mit dem britischen Amtskollegen Cameron das Spiel ansah. Die Merkel grinste zunehmend und Cameron reagierte immer deprimierter. Dann trat die Merkel vor die Presse und ich konnte nicht hören, was sie sagte. Ich hing meiner Kanzlerin an den Lippen. Das mache ich sonst nie.
Jedenfalls war alles so aufregend, dass ich vergaß, eine Requisite bereit zu legen. Die fehlte dann im Programm.
Die Zuschauer amüsierten sich total über unseren Auftritt und alles lief wunderbar. Aber keiner ahnte, dass ich immer wieder ganz schnell hinter die Bühne zu meinem Gehörlosenfernsehn wollte.
So hatten wir Spannung auf und hinter der Bühne. Wir waren sozusagen eine Hochspannungsanlage, die einen wunderschönen Abend im doppelten Sinne erlebte.
Das beeindruckende Fußballspiel Deutschland-England wird mir, wie vielen meiner Landsleute, in Erinnerung bleiben. Und ich werde immer an Borna denken und an die Schar von Menschen, die mit mir hinter dem Theatervorhang vor einem Computer saßen, um ein Stück Sporthistorie zu erleben
Es gibt Public Viewing an der Berliner Siegessäule, in Leipzig auf der Kneipenmeile, bei der Bansiner Konzertmuschel und in Garmisch auf der Alm. Aber wer kann schon von sich sagen: “Mein Public Viewing war in BORNE hinterm Vorhang bei Sanftwut.”
Nur wir!
Eure Uta-Moni